Seit Anfang April bin ich jetzt zurück auf Amiga. Zwei wunderschöne Monate in Neuseeland liegen hinter mir. Freundschaften wurden vertieft, neue Erfahrungen gemacht, House Sitting und Boat Sitting. Bei einem Segel-Ausflug in Whangaroa wird mir klar, dass ich das Meer nicht völlig aufgeben kann. Gedanken, zukünftig wieder an Land zu leben, bekommen eine andere Qualität. Ja, in einem Haus zu leben, ist denkbar, aber nicht ohne Boot und weiterhin nicht ohne Zeit auf dem Meer. Wie das gehen wird, wird die Zukunft dann bringen. Es wird sich irgendwie entwickeln. Ich werde sehen.

Whangaroa Harbour

Jetzt geht es erst einmal darum, die Amiga wieder segel-fit zu machen.
Ich komme gerade rechtzeitig zurück, um die Landleinen auszutauschen und die Amiga für den Zyklon Maila zu sichern. Die alten Landleinen sind noch von der SV Meerbär und haben denen als Landleinen in Patagonien gedient. Sie haben gute Dienste geleistet, aber in einem Zyklon möchte ich mich darauf nicht mehr verlassen das sie halten. Das komplett neue Tauwerk für die Amiga lagert schon in einem Container an Land. So ist es nur eine Sache von einer halben Stunde, die Leinen auszutauschen und die Amiga sicher neu zu vertäuen.


Als alles sicher ist, bleibt nur noch abzuwarten, wie sich der Zyklon entwickelt. Immer wieder werden die verschiedenen Wetter-Berechnungsmodelle auf der Windy App angeschaut. Es verändert sich ständig. Alles scheint für Noro und für die Amiga viel weniger schlimm zu werden, als erwartet. Und um genau zu sein, passiert überhaupt nichts. Völlig normales Wetter. Wir liegen im Windschatten der Vulkaninsel Kolombangara, während weiter westlich Gizo, Ranunga und VellaLavella ungeschützt den starken Winden ausgesetzt sind.

Die Zyklone der Vergangenheit sind innerhalb von 3 Stunden weitergezogen, ohne irgendeinen größeren Schaden anzurichten. Das Zentrum lag auch immer viel weiter südlich bei den Lousiades Inseln, PNG. Diesmal ist es anders. Zur gleichen Zeit entwickelte sich ein Zyklon zwischen Vanuatu und Fiji. Dadurch hängt unser Zyklon Maila hier eine ganze Woche fest und während der er täglich stärker wird, Einstufung Kategorie 4 mit Tendenz 5. Der stärkste Zyklon seit 1967 und er richtet immense Schäden und Verwüstungen an. Er kommt mit Hochwasser, vernichtet Häuser und Gärten. Ganze Strände verschwinden im Meer und werden einfach weggespült. Die Versorgungssituation wird schwierig. Eine Ausnahmesituation, bei der ich mich wundere, wie klaglos die Menschen es hinnehmen und einfach versuchen, das Beste daraus zu machen. Sie bringen sich in Sicherheit und warten darauf, wieder aufzubauen, was zerstört wurde. Internationale Hilfe funktioniert still und effizient.

Auf der Amiga bleibt es ruhig. Die Landleinen halten auch in stärkeren Regenböen. Alles ist gut. Ansonsten heißt es abwarten, bis das Unwetter weiterzieht. Eine Woche entspanntes Nichtstun und To-Do-Listen schreiben für die Arbeiten nach dem Zyklon. Die einzige Störung in dieser Situation kommt vom Nachbarboot. Die Crew, die während des Sturms auf das Boot aufpassen sollte, hat aus dem Sondereinsatz an Bord offenbar eine Party gemacht.
Als ich nachts wach werde, höre ich Stimmen über den Windgeräuschen und wundere mich. Also aufstehen und nachschauen. Als ich nach draußen komme sehe ich ein paar Füsse, die gerade unter der Regenplane hindurch ins Cockpit klettern wollen. Ich glaube, ich spinne. Der Typ faselt irgend etwas davon, dass er mir helfen will. Wegen dem Wind, worauf ihn ihm ziemlich deutlich sage, dass er schleunigst sehen soll, dass er von meinem Boot verschwindet und sich nicht auch nicht wieder blicken lassen soll. Ich brauche keine Hilfe.
Zu der Zeit, weiss ich noch nicht, dass er vom Nachbarboot ist. Ich texte es Fred, der selbst Nachtwache mit einigen Leuten auf seinem Katamaran Haha hält. Er klärt die Situation dann umgehend mit der Security an Land und gibt mir Rückmeldung.
Betrunkene sind in den Solomons ein wirkliches Problem und verursachen des öfteren Ärger, den man wirklich nicht brauchen kann.
Entrosten und Streichen, was im Januar wegen dem täglichen Regen nicht gemacht werden konnte, ist der größte Punkt auf der Liste und der mich am meisten drückt. Auch sind noch einige Schweißarbeiten zu machen. Was zu rostig ist, ausschneiden und ersetzen, wie Teile der Reling, am Bug und ein Loch auf der Badeplattform. Alles in allem ein Tag Arbeit.

Fenster, die neu eingesetzt und abgedichtet werden müssen, der Austausch der grün gewordenen Leinen. Es ist zunächst eine lange Liste, die mich aber nicht weiter beunruhigt. Bis Ende des Monats sollte das meiste erledigt sein und ich reisefertig.

Kater Louis zieht um zu Eileen und Linus genießt es, dass er das Boot jetzt für sich hat. Louis scheint sein neues Zuhause zu lieben und terrorisiert seine neue Familie in gewohnter selbstherrlicher Weise. Nach kurzer Zeit fängt er an das Nachtleben nach Katzenmanier draußen zu verbringen und weckt die Familie morgens um fünf Uhr, weil er dann ins Haus zurück möchte, gefüttert werden will und es sich anschließend in Eileens Bett bequem macht. Ein solches selbstbewusstes Verhalten sind die Solomonen von ihren Haustieren nicht gewohnt. Louis hält die Familie nach seinen Vorstellungen fest im Griff.
Ich ändere meine Reisepläne. Statt über Vanuatu nach Neukaledonien zu segeln für den dringend erforderlichen Haulout der Amiga, plane ich jetzt, über Vanuatu nach Fiji zu segeln. Dort werde ich dann auch wieder mit meinen Freunden aus Whangarei, Renate und Steve, zusammentreffen. Der Haulout soll dann in der Vuda-Marina stattfinden, dort, wo ich vor neun Jahren die Amiga gekauft habe. Der Haulout wird dann sozusagen ein Heimspiel in vertrautem Umfeld. So der neue Plan.

Die Arbeiten auf der Amiga gehen inzwischen gut voran. Bald erstrahlt der Rumpf wieder weiss und viele der kleineren Reparaturen sind erledigt.
Wie es auf einem Boot so ist, tauchen neue zu lösende Probleme auf und ich bin dankbar, dass sie jetzt auftauchen und nicht unterwegs. Der Regler der Lichtmaschine tut nicht was soll und hat seine Tätigkeit offenbar ganz eingestellt. Ein Ersatz wird in Australien bestellt. Wegen systemtechnischen Fehlern wird der Artikel falsch versendet und ist erst nach 2 Wochen nach Bestellungsaufgabe auf dem Weg in die Solomonen. Das verzögert meine Abreise definitiv. Nun ist auch noch der Kühlschrank völlig ausgefallen. Ein Wiederbelebungsversuch im Januar war offensichtlich nicht von Dauer. Ob ich dieses Problem vor Vanuatu oder Fiji gelöst bekomme ist fraglich, da die Australier Importgesetze anderer Länder selbstherrlich auf ihre Art und Weise auslegen. Einen unkritischen Ersatz, den ich ich im November aus D bestellt hatte, hatten sie kurzerhand blockiert und zurückgeschickt. Ich werde einen neuen Versuch mit Neuseeland starten, wenn möglich. Und sonst muss es erst einmal ohne gehen.

Die letzten Spekulatius von Gillian aus Whangarei
Hier in der Marina an Land wird es nach dem Zyklon aus ganz anderen Gründen geschäftig. Zwischen Munda und Rendova musste ein Hubschrauber wegen technischer Probleme notwassern. Der Hubschrauber war im Einsatz, um nach dem Zyklon notwendige Lebensmittel auf die Inseln und in abgelegene Orte zu bringen. Der Pilot blieb unverletzt, aber die Rettung der Hubschraubers erwies sich als schwieriger als erwartet.

Letztendlich wurden Fässer unter dem Helikopter befestigt, um ihm mehr Auftrieb zu geben und ihn schwimmfähig zu machen.
Warum es hier in der Marina deshalb geschäftig wurde? Diese ganze Aktion wurde hier vorbereitet und von hier aus gestartet und ausgeführt mit Arbeitern aus Noro und Booten hier aus der Marina.
Am Wochenende ist es in der Marina völlig ruhig, weil keine Arbeiten ausgeführt werden und niemand nachmittags auf dem Gelände ist. Ich habe mich gerade entschieden früh ins Bett zu gehen, als ich in der Nähe der Amiga Stimmen höre. Als die Stimmen lauter werden und aufgeregte Rufe wegen irgendwelcher Taue hinzukommen, ziehe ich mich wieder an, um zu schauen, was da los ist. Ein Blick auf meine Mooringtaue, meine erste Befürchtung, dass sie einfach drüber gefahren sind, zeigt, dass hier offenbar alles in Ordnung ist. Auch sind sie weiter weg, als es sich zunächst angehört hat. Sie haben Lampen dabei, was eher ungewöhnlich ist. Im Widerschein des Lichtes kann ich sehen, dass sie weit genug von allen an einer Mooring liegenden Booten entfernt sind, sich aber auf die Amiga zubewegen. Die Stimmen werden immer lauter, und es hört sich an, als wenn eines der Boote sich mit dem Aussenborder in einem Tau verfangen hat und dem anderen helfen will? Die Aufregung dabei, lässt mich vermuten, dass es sich um Samstagabend-Betrunkene handelt und meine Unruhe wächst, denn es ist keine Security an Land zu sehen. Ich versuche Peter anzurufen, die Security des Katamarans Haha und Marina Mitarbeiter. Doch sein Telefon ist abgestellt. Die nächste Nummer, der Mann für den Notfall, ist Ambrose. Es klingelt und ich höre von den Booten „That’s Hildi“, woraufhin ich gleich wieder auflege und gar nicht darauf warte, dass das Gespräch angenommen wird. Es sind unsere eigenen Leute, die den Tumult da veranstalten, was auch immer da gerade in der Dunkelheit passiert.
Eine Viertelstunde später sind sie so nah, dass ich sehen kann, dass sie mit zwei Booten, offenbar verbunden mit etlichen Schwierigkeiten, dabei sind, den Helikopter in die Marina zu ziehen. Was für ein Spektakel. Irgendwann haben sie es geschafft und er liegt fest vertäut neben dem Dinghy-Dock.

Der Sonntagmorgen ist dann das, was man Hafenkino nennt. Nur geht es nicht um ein Anlegemanöver, sondern darum, wie ich einen Helikopter aus dem Wasser bekomme.
Ich habe Besuch von John, der einen Techniker gebracht hat und darauf wartet, bis er seinen Job auf der Aquabago erledigt hat. John ist der Supervisor, ein echt netter Kerl, der mit dem Techniker Jimmy auch auf der Amiga schon einige Probleme gelöst hat. Vom Cockpit der Amiga beobachten wir das Schauspiel rund um den Helikopter. Für unsere kleine Gemeinschaft nehme ich die Aktion mit Video auf, dass ich entsprechend unserer Laune mit ein paar Kommentaren gestalte. Es ist das Ereignis und besser als wirkliches Kino. Traurig ist nur, dass der Hubschrauber nun keine Verwendung mehr hat, weil er zu lange im Wasser war und die Versicherung auf Entsorgung besteht.
Wieder ändern sich meine Reisepläne. Harry bietet an, die Amiga hier in Noro mit seinem Kran, der immerhin fast 70to liften kann, aus dem Wasser zu holen. Das ganze soll am kommenden Sonntag passieren. Die Farbe wie Rostprimer und Antifouling ist bereits von einem Katamaran aus Honiara mitgebracht worden. Neben Reinigung, schleifen und streichen des Unterwasserschiffs, werden wir auch mit Ultraschall die Stahlstärke überprüfen. Sollte der Rost irgendwo Schäden angerichtet haben, was ich im Moment so nicht abschätzen kann, werden wir es feststellen und die Schäden gleich beheben. Etwas, das ich für den Haulout in Fiji geplant hatte und wo es natürlich besser ist, es hier vor der Abreise zu erledigen. Nur hatte es bisher hierfür in den Solomonen keine bezahlbare Möglichkeit gegeben.
Es wird also auch der kommende Sonntag, hoffentlich, ein spannender Tag werden (believe it, when I see it).

warten auf die Fähre mit den neuen Starter-Batterien aus Honiara