Immer diese Planänderungen. Der Ursprungsplan war jetzt dieser Tage los nach Vanuata und weiter zum Haulout nach Neukaledonien.
Dann erste Planänderung statt Neukaledonien, doch lieber Fiji und Verschiebung um mindestens eine Woche, da ich auf ein Ersatzteil aus Australien warte.

Der nächste Plan, jetzt kein Haulout, weder in Neukaledonien noch in Fiji, sondern Haulout hier in Noro. Eine Woche Unterwasserschiff reinigen, mit einem Sounder die Stahlstärke überprüfen, neu streichen. Ausserdem weiterhin auf das Ersatzteil aus Australien warten und zudem noch auf einen neuen Kühlkompressor für meine Kühlbox/Bordkühlschrank, weil der alte Kompressor sich Anfang der Woche als nicht reparabel erwiesen hat.
Die Australier haben es mittlerweile nach fast drei Wochen wirklich geschafft, das 170 gr schwere Ersatzteil loszuschicken. Der Kompressor aus Neuseeland war schon unterwegs, bevor bei der Firma FridgeTech Marine, Auckland, überhaupt das Geld auf dem Konto war. Ist das Service?
Weil alles auch wegen des Wetters ein bisschen auf Hold war, habe ich schon einmal angefangen, die Leinen zu tauschen. Dafür brauche ich dann bestimmt noch einmal einen Tag, bis alles fertig ist, weil damit auch ein Hissen der Segel verbunden sein wird. Auch habe ich angefangen die Wantenspannung zu prüfen und zu justieren als Teil des Rigg-Checks. Professionell werde ich das noch einmal von einem Rigger in Fiji machen lassen.

Das Deck ist wegen des Regens in der letzten Woche auch erst zur Hälfte gestrichen. Ist eben so.
Vergeblich versuche ich, für die Elektro-Installation des bestellten Kompressors einen einfachen 12V Kabel-Sicherungshalter in Noro zu finden. Manchmal ist einfach ein Kreuz, dass man hier nur sehr eingeschränkt notwendige Materialien bekommt, wie auch beispielsweise Silikon-Kartuschen, die, wenn verfügbar, schon mindestens ein halbes Jahr abgelaufen sind. Hier in den Tropen ist das gleichzusetzen mit unbrauchbar.
Wie gut, dass es andere Segler gibt, die mit allem gut eingedeckt sind und wir uns gegenseitig aushelfen können, wenn etwas fehlt.
Was ich bekomme, ist ein Karton SolBrew, das hiesige Lagerbier nach deutscher Brauart. Tatsächlich deutsch. Denn ursprünglich haben Deutsche die Brauerei in Honiara mit gegründet und aufgebaut.
Das Bier ist für den Fall, dass es morgen tatsächlich mit dem Haulout klappt. Trotz mehrfacher Bestätigungen, die für mich doch manchmal etwas zögerlich klingen, habe ich beschlossen, nicht allzu enttäuscht zu sein, wenn es dann doch nicht klappt. Lieber die Erwartungen nicht so hoch hängen. Schließlich versuche ich seit vier Jahren die Möglichkeit zu finden, hier mein Boot zur Pflege des Unterwasserschiffs an Land zu bekommen. Die erste Zusage in 2022 scheiterte letztendlich daran, dass die Werft binnen kurzer Zeit nicht mehr funktionstüchtig war und bis heute nicht ist. Trotz Unterstützung und Darlehen in Millionenhöhe hat es bis heute nicht geklappt.
Andere Slipways können keine Kielboote aus dem Wasser ziehen, weil die Vorrichtungen nicht entsprechend ausgelegt sind oder so teuer sind, dass es schon für eine Anzahlung von einem neuen Boot reichen würde, da die Preise auf die Berufsschifffahrt ausgelegt sind.
Nun, zumindest gibt es jetzt am Sonntag kaltes Bier.
Heute am Sonntagmorgen tüdel ich dann ein bisschen herum und räume Werkzeug, das erst einmal nicht mehr benötigt wird, beiseite. Irgendwann höre ich dann merkwürdige Geräusche an Land, an dem ansonsten sehr ruhigen Morgen.
Harry Wickham kommt mit dem Kran. Tatsächlich.

Jetzt wird es spannend. Es dauert noch eine Weile, bis auch Ambros mit ein paar Leuten zur Unterstützung auftaucht. Was ich nicht sehe, ist Material, um die Amiga denn auch abzustützen, wenn sie erst einmal an Land ist. Doch die Solomons sind immer für eine Überraschung gut.
Mein Zweit-Boot, das ich wegen meiner Reisepläne an Ambrose und Harry weitergegeben habe, steht ja schon an Land. Jetzt soll es aber kurzfristig wieder ins Wasser, damit die Amiga in dem Stahlgerüst platziert werden kann, in dem das Boot gelagert ist. Das heißt also ein Boot ins Wasser, damit das andere Boot aus dem Wasser kann.
Ich schaue auf den kleinen Steg und auf den Wasserstand. Es ebbt. Und zwar kräftig. Und sooo tief ist es hier ohnehin nicht.
Doch ein Solomon lässt sich durch solche Naturgegebenheiten nicht abhalten. Die Arbeit ist für jetzt geplant und wird jetzt gemacht. Menschen, die ich kenne, und die so etwas mehr oder weniger täglich und auch beruflich machen, die warten auf Hochwasser oder fangen entsprechend früher an.
Bei mir läuft das Kopfkino an, doch ich bin lange genug hier, um es nicht auch noch auf Hochtouren laufen zu lassen. Trotz der Herzklopfen, die ich mittlerweile bekomme. Es geht schließlich um meine Amiga und ihre Sicherheit.
Das erste Schiff wird zurück ins Wasser gesetzt und soll draußen in der Bucht erst einmal an eine Mooring. Selbstverständlich funktioniert das nicht so einfach, wie die Jungs sich das so vorstellen. Das Wasser ist schon viel zu seicht. Da kann Fred im Rayboot mit den 60 PS Aussenborder ziehen und ziehen, solange er lustig ist. Wenn so ein Boot erst einmal auf einem Stein sitzt, sitzt es da. Also zurück in die andere Richtung hinter die Amiga, als wenn da besonders viel Platz wäre für irgendwelche Manöver. Ich bin vorsichtshalber erst einmal zurück auf mein Boot, bevor da noch irgendwas schief geht. Es geht vor und zurück und zur Seite und schließlich nah an die Amiga heran, wo es dann tief genug ist, und raus an die Mooring. Der erste Schritt ist geschafft.
Inzwischen habe auch ich meine Gelassenheit zurückgewonnen, nachdem ich gesehen habe, dass das Kranen an sich gut funktioniert hat.

Wir ziehen die Amiga jetzt langsam mit den Leinen Richtung Steg und lösen die Verbindung zu den beiden Moorings. Das geht auch ein gutes Stück weit gut, bis ich rufe, dass wir jetzt auf einem Stein sitzen. Ansonsten versuche ich mich weitestgehend herauszuhalten und die Jungs machen zu lassen. Manchmal ist das einfach besser.
Nun soll die Amiga am Heck hochgehoben werden und so näher an den Steg herangezogen werden in Reichweite des Krans.
Ich schaffe es wirklich entspannt zu bleiben und mich herauszuhalten und das Schauspiel mit einer gewissen Distanz zu beobachten, nachdem ich kurzerhand wieder von Bord gegangen bin.
Mir ist nicht klar, ob diese Aktion mit dem Hochheben des Hecks tatsächlich den gewünschten Erfolg hat, denn seitlich zum Land liegt die Amiga immer noch nicht und hockt wahrscheinlich immer noch auf dem Stein. Bei Hochwasser wäre das kein Problem gewesen und das Wasser tief genug für das Manöver.
Doch dann werden die Hebegurte in die Mitte verlegt und ich werde nach den Hebepunkten der Amiga gefragt. Das ist einfach: hinter dem Cockpit und direkt vor dem Mast. Passt, wie sich zeigt.
Es geht tatsächlich los. Die Amiga wird langsam aus dem Wasser gehoben, schwebt durch die Luft, wie der Hubschrauber letzten Sonntag, und senkt sich in das Stützgestell. Ganz langsam. Alles wird modifiziert und angepasst, so dass sie sicher steht. Tatsächlich geschafft. Die Amiga ist aus dem Wasser.

Ambrose und Harry bringen mit der Unterstützung von Fred nun ihr Boot an die freigewordene Mooring. Den ganzen Nachmittag haben sie dort Spaß, das zerrissene Segel wird endlich heruntergeholt, es wird geschrubbt und geputzt und vor allem Bier getrunken.
Ich hocke jetzt im kühlen Schatten hoch über ihnen im Cockpit der Amiga und plane in Gedanken schon einmal die Arbeiten der nächsten Woche.
Nächsten Sonntag üben wir das Ganze dann noch einmal umgekehrt: erst die Amiga ins Wasser, dann das andere Boot raus aus dem Wasser und zurück an Land.
In der Port Noro Marina sind jetzt zwei Boote schon einmal erfolgreich und ohne irgendwelche Schäden aus dem Wasser geholt worden. Bravo.
