Meine Geduld ist die letzten zwei Monate, schon zwei Monate!!!!, auf eine harte Probe gestellt worden und ich bin immer noch in Noro, Solomon Islands.

Die Entscheidung, Amiga hier aus dem Wasser zu holen, war gut und richtig. Sah das Unterschiff bei Haul Out zwar, wenn auch bunt, doch recht gut aus, haben wir bei der gründlichen Reinigung besonders an einigen Roststellen doch einige Stellen gefunden, wo der Rumpf dort, wo von innen keine Kontrolle stattfinden konnte, fast durchgerostet war.
Hier ist es relativ preisgünstig die Stellen auszuschneiden, neu einzuschweissen und zu streichen. Was mir nach der Erledigung dieser Arbeiten ein gutes Gefühl gibt.
Nach einer Woche geht die Amiga mit neuem Antifouling am Rumpf zurück ins Wasser für restliche Arbeiten.
Ich kann den Motor noch nicht starten, weil der neue Regler für die Lichtmaschine, bestellt Anfang April, noch nicht angekommen ist und auch der neue Kühlkompressor kommt erst Ende Mai aus Neuseeland an.

Der ist jedoch mit der dazugehörigen neuen Kühlplatte nach dem Einbau eine echte Aufwertung und Freude. Nicht nur, dass der Geräuschpegel von sehr nervig laut auf „Läuft der wirklich?“ gesunken ist, nein er braucht auch viel weniger Strom und ist daher weniger belastend für die Batterien.

Die neue Rettungsinsel ist auch angekommen und wird montiert. Vielleicht hätte ich doch lieber die 4- Personen-Variante wählen sollen, geht mir dabei durch den Kopf, denn die 6-Personen-Box ist ziemlich groß und schwer, doch der Anzahl der 5 Schlafplätze an Bord angepasst.

Die frisch lackierten Hölzer werden an der Reling montiert, die Leinen für die Segel ausgetauscht, Gasflaschen gefüllt, Dieseltank aufgefüllt und zusätzliche Kanister mit Diesel gestaut.
Eine weitere Luke wird ausgebaut, der rostige Rahmen ausgeschnitten und ein neuer Rahmen eingeschweißt. See- und sonnentaugliche Silikon-Dichtungsmasse zu bekommen, ist allerdings unmöglich. Solomon eben. In fast 7 Jahren ist es kein Deut besser geworden. Was man hier kaufen kann, ist zeitlich schon monatelang abgelaufen, teilweise und überwiegend eingetrocknet und eigentlich überhaupt nicht wirklich geeignet. Ich muss nehmen, was ich bekommen kann, um Fenster und Liken einigermaßen abzudichten.
Dazu kommt, dass Solomon Air zur Zeit nur ein Flugzeug für die Inlandsflüge zur Verfügung hat und der Postverkehr dadurch zusätzlich eingeschränkt ist. Da liegen meine Pakete mit Ersatzteilen eben wochenlang auf dem Flugplatz in Honiara und werden nicht nach Munda weiter transportiert.

Fleisch für die nächsten Wochen wurde auch eingekocht was das Kochen unterwegs doch leichter macht.
Statt frustriert zu sein, wandle ich meine Gefühle in Gelassenheit, nehme es wie es ist und mache das Beste für mein Wohlbefinden daraus. Mein Motto ändert sich von „Wait and See“ in
Wer weiss, wozu es gut ist!
Es wird alles so kommen, wie es kommen soll. Da bin ich mir ganz sicher.
Als es dann endlich so weit ist, dass ich denke, dieses Wochenende werde ich mich auf den Weg machen, ist es Zeit, den Motor zu pflegen. Mit den neuen Batterien springt er anstandslos an, ich lasse ihn ein bisschen warm laufen, bevor es dann an den Ölwechsel und Abarbeitung der Wartungsliste geht. Dabei find ich ein Leck am Kühlwassersystem und ein undichte Verschraubung, wo Diesel austritt. Als alles am späten Nachmittag erledigt ist, starte ich wieder den Motor. Das heißt, ich drehe den Zündschlüssel, aber nichts passiert. Ich bin, gelinde gesagt, fassungslos. Nach kurzer möglicher Fehlersuche beende ich das Thema indem ich den Mechaniker anrufe. Der kann dann, wenn er kommt, auch grundsätzlich noch einmal den Motor durchchecken, denn der alte Perkins wird auf der geplanten Reise gegen den Wind so einige Stunden, wenn nicht sogar Tage, laufen müssen und sollte verlässlich sein.
Am Wochenende bin ich soweit fertig zur Abreise und warte nur noch auf den Mechaniker. Ich denke, er wird vielleicht eine Stunde benötigen, um den Fehler zu finden, das Dieselleck-Problem zu lösen, das immer noch besteht, und dann kann ich los.
Ich könnte ja schon einmal probieren, ob der Motor nicht doch startet? Manchmal ist es ja wie beim Zahnarzt, wenn man erst einmal im Wartezimmer sitzt, tut es plötzlich nicht mehr weh?
Yeah! Tatsächlich! Der Motor startet! Braver Perkins. Wegen dem Dieselleck sage ich dem Mechaniker trotzdem nicht ab.
Als der dann kommt, erledigt er die Arbeiten, wir wollen den Motor starten und nichts passiert. Oh nein!

Da der Motor morgens ja schon eine Stunden problemlos gelaufen ist, kann es eigentlich nur der Starter sein.
Im Laufe der nächsten Tage kommen wir zu dem Schluss, dass er nicht mit hiesigen Möglichkeiten repariert werden kann und ich bestelle einen neuen Anlasser in Holland.
Auch das Display des Autopiloten ist seit April plötzlich blind geworden und hat Wasser gezogen. Ein neues wird in Neuseeland bestellt.

Also? Wer weiss, wozu es gut ist und ein Blick auf die Wetter-App zeigt, dass das Wetter ohnehin nicht wirklich eine Reiseempfehlung gibt. Viel zu viel Wind aus dem Osten, um nicht zu sagen stürmisch.

So ist es eben. Vieles ist einfach nach der langen Liegezeit hier nicht im Einsatz gewesen und muss jetzt erneuert werden. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass weitere Probleme auftreten können, auch wenn ich das Boot damals nach dem Kauf in einen sehr guten Zustand gebracht hatte. Jetzt sind es immer wieder Kabelverbindungen, die korrodiert sind, den Kabelsalat von der Erstinstallation versteht mittlerweile niemand mehr, da inzwischen zu viele Änderungen gemacht wurden. Vielleicht ein Projekt, dass ich in Neuseeland angehen sollen.
Auch etwas anderes habe ich die letzten Wochen deutlich wahrgenommen. Die Solomonen waren tatsächlich mein Zuhause geworden. Man kennt mich, akzeptiert und respektiert mich. Es ist ein schönes Gefühl, denn ich denke, dass dies etwas ist, das man geschenkt bekommt. Es ist nicht etwas, das man für sich selbst entscheiden oder sogar fordern kann. Es ist etwas gewachsenes, ganz sicherlich, natürlich durch meinen Wunsch, hier zu bleiben, aber die tatsächliche Akzeptanz ist dann eben doch ein Geschenk. Danke an die Menschen, die lächeln, wenn sie mich sehen und mir auch so etwas wie Vertrauen schenken.
Gerade jetzt in den letzten Wochen habe ich mich oft nicht nur als Gast in einem fremden Land gefühlt, sondern als Teil der Gemeinschaft.
Vielen Dank für dieses besondere Geschenk.

Liebe Hilde,
auch das Paradies hat seine Tücken und trotzdem bewundere ich immer wieder deine Gelassenheit und mit welch einer Zuversicht du deinen Alltag meisterst. Alles wird gut.
Liebe Grüße Thomas 😘🫶
Liebe Thomas,
Danke für Deine lieben Worte.
Die Gelassenheit habe ich wohl in meinem Genen – von meinem Vater und von der Insel. Ich hoffe, dass wir uns dort im mächsten mal wieder sehen.
Liebe Grüße Hilde 😘❣️