Wenn es das „eigentlich“ nicht geben würde, wäre das Leben häufig um einiges übersichtlicher.
Also eigentlich startete das Schulprojekt für die Tehila Primary School ganz gut. Die Eltern waren darüber informiert, dass eine gesundheitliche Untersuchung der Schulkinder stattfinden würde. Es gab eine Veranstaltung, bei der alle Kinder darüber von den Ärzten informiert wurden, was untersucht werden würde und warum. Auch dass sie keine Angst zu haben bräuchten, denn es sei nichts schlimmes.

Die erste Untersuchungstag fand statt. Häufig war auch ein Elternteil anwesend. Alles im großen Veranstaltungsraum mit einer Geräuschkulisse, bei der man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Im hinteren Teil des Raumes wurde unterrichtet, da der Raum mangels ausreichender Anzahl von Klassenräumen auch als Unterrichtsraum genutzt wird.
Mein Gedanke dabei war – das geht einfach gar nicht! Nicht für die Ärzte und nicht für die Kinder, die unterrichtet wurden. Aus meinem Verständnis heraus kann sich bei einem solchen Lärmpegel niemand wirklich konzentrieren und gute Arbeit abliefern und ist am Ende des Vormittags mehr als erledigt und ausgelaugt.

Ich bat um Änderung der Bedingungen für den zweiten der 7 geplanten Untersuchungstage, vor allem um für die Ärzte bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Der zweite Untersuchungstag in der Woche darauf wurde von den Ärzten zunächst einmal um einen Tag auf den Donnerstag verschoben. Statt wie geplant um 8.00 Uhr morgens zu starten, ließen die Ärzte die Kinder warten und erschienen erst nach 9.00 Uhr.
In der Woche darauf erschienen sie gar nicht und ließen Schule und Kinder einfach ohne jegliche Information warten. Ich bat um mehr Zuverlässigkeit aller Beteiligten und darum, einen Termin rechtzeitig oder im Notfall zumindest umgehend abzusagen.
In der Woche darauf dachte ich mir schon, dass der Enthusiasmus der beiden Ärzten wohl verstorben ist. Nachdem um 9.00 Uhr morgens die Schulkindern immer noch auf die Fortsetzung der Untersuchungen warteten, bin ich kurzerhand zur Klinik gefahren, habe die bereits ausgegebenen Zahnbürsten wieder abgeholt und habe wortlos die Klinik wieder verlassen. Im Nachhinein muss ich darüber schmunzeln, dass den beiden daraufhin einfiel, dass sie einen Termin in der Schule hatten, außerdem registrierten, ich könnte ziemlich sauer sein, um dann kurz nach 11.00 Uhr in der Schule für die Untersuchungen aufzutauchen.
Ich habe nach dieser Aktion die Zusammenarbeit jedoch eingestellt, zumal mir und der Schule auch keinerlei Untersuchungsergebnisse zur Verfügung gestellt wurden, die die Basis für weiterführende Maßnahmen sein sollten.

Einen Teil des Geldes hatte ich bereits wie vereinbart an die Ärzte ausgezahlt. Weitere Zahlungen habe ich jedoch ebenfalls eingestellt.
Zwischenzeitlich hatte ich Kontakt zur Klinik in Munda und zu einem Arztehepaar in Deutschland, um dieses Projekt möglicherweise mit anderer Besetzung weiterzuführen. Als ich dann jedoch auch noch von Intrigen und Unstimmigkeiten innerhalb der Schulleitung erfahren habe, war bei mir erst einmal die Luft raus.
Das ganze liegt also derzeit auf Eis genau wie ein Teil der erhaltenen Spenden.
Einiges von dem gespendeten Geld habe ich für Bücher und Kleidung für Schulkinder verwendet.

In Gizo konnte ich Kinderbücher aus Australien von einem Secondhand Geschäft kaufen. 100 Bücher habe ich der Tehila Schule übergeben. Weitere 50 Bücher gehen an eine neu gegründete Dorfschule auf Rendova. Diese Schule wird zusätzlich Schulmaterialien erhalten, die von Seglern gespendet wurden. Außerdem werde ich ein paar Kilo Nägel mitgeben, damit der offene Klassenraum Wände bekommen kann. Von Tischen und Bänken ist dabei noch nicht einmal die Rede. Holz ist vorhanden, doch es fehlen einfache Materialien wie beispielsweise Nägel. Derzeit kann bei Regen kein Unterricht stattfinden, ohne dass die Kinder nass werden. Es sind Menschen, wie dieser Lehrer, die mich beeindrucken. Er versucht mit seiner neuen Schule Kindern den teilweise gefährlichen Schulweg zu einer anderen Schule zu ersparen, der mehr als 7 Kilometer durch den unwegsamen Busch führt. Als ich mit ihm Kontakt herstellte, war er gerade in Honiara und versuchte, staatliche Mittel und Unterstützung für diese Schule zu bekommen. Ein mehr als zähes und sehr schwieriges Unterfangen.

Die Kleidung für Kinder ist an die Varu Schule in Kolombangara gegangen. Der Schulleiter hat mich im letzten Jahr darum gebeten, weil einige Kinder praktisch nur in Fetzen zur Schule kommen. Die Eltern können kaum das Schulgeld ermöglichen, geschweige denn eine angemessene Schulkleidung. Es hat mich berührt, dass er sich überhaupt darüber Gedanken macht, denn es zeigt mir, dass er nicht einfach nur Schulleiter ist und einen Job hat, sondern dass er sich wirklich um die Kinder sorgt.
Lehrer/Schulleiter wie diese beiden mit Herz für die Kinder brauchen Anerkennung und Unterstützung
Die Tehila Schule hier in Noro hat mir Einblicke in das Schulsystem der Solomonen gegeben, bei denen ich einfach nur die Hände über dem Kopf zusammenschlage und ich alles in Zweifel stelle, was mein Wissen über Schulen und Unterricht in Frage betrifft.
Die Schulleiterin ist ohne Frage eine herzensgute Person und liebt die Kinder und ihren Job. Aber sie hat eben auch die Schulleitung und sich deshalb auch um andere Dinge zu kümmern. Da sie aber auch eine Schulklasse durchgehend täglich unterrichtet, bleiben die Kinder einfach sich selbst überlassen und unbeaufsichtigt, während sie ihren anderen Verpflichtungen nachkommt. Feste Unterrichtsstunden scheint es nicht wirklich zu geben, da Kinder durchgehend und zu jederzeit überall herumlaufen.
Einer der Lehrer hat in seiner Klasse 70!!!! Kinder zu unterrichten. Ich frage mich, was soll da an Wissen für die Zukunft vermittelt werden? Über die hohe Zahl der Analphaten braucht man sich hier nicht mehr zu wundern.
Mein Eindruck ist, dass diese Schule für die meisten Kinder nur ein großer Spielplatz ist. Meines Erachtens ist es gar nicht möglich, dass diese Kinder das Lernziel für die weiterführenden Schulen erreichen.
Auch frage ich mich, warum die finanziellen Mittel dieser Schule nicht ausreichen.
Von VelaLavella / Liapari weiss ich noch, dass die Schulgebühren für die Grundschulkindern 100 SBD pro Jahr betragen.
Die Gebühren hier in Noro betragen 500 SBD, also das 5fache. Trotzdem scheint es nicht auszureichen. Zu Jahresbeginn fallen Schultage aus, weil die Wasserrechnung des letzten Jahres noch nicht bezahlt ist und für die Kinder kein Trinkwasser zur Verfügung steht.
Es werden nicht genügend Lehrkräfte beschäftigt. Die Kinder müssen zum größten Teil auch hier auf dem Boden sitzen, weil es keine Tische und Stühle gibt. Es fehlen Klassenräume. Der angefangene Neubau kommt nur sehr schleppend voran – drei Stück Holz im Monat verbaut, wie es aussieht. (Der Neubau wurde vor 6 Jahren gestartet).

Als Controllerin frage ich mich da, was machen die mit ihrem Geld? Wobei sie scheinbar auch gar nicht wissen, wie viele Kinder tatsächlich in der Schule sind, wie ich nach der Verteilung der Zahnbürsten festgestellt habe.
Da kann sich jeder so seine eigenen Gedanken machen. Es ist nicht alles schlecht, nur weil ich es anders kenne. Doch ich frage mich schon, wie sich diese Kinder ohne jegliches Erlernen von Regeln als junge Erwachsene später in ein geregeltes Arbeitsleben einpassen können?
Ich sehe die Arbeiter hier in der Marina, die täglich eine Arbeitsleistung von etwa 30% nach Deutschen Maßstäben erbringen,die Arbeiterinnen immerhin etwa 80% und mehr. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Löhne nicht steigen können, weil jeder Arbeitgeber doch zunächst einmal das Gefühl hat, sowieso zu viel zu zahlen?
Und liegen die Wurzeln für dieses träge Arbeitsverhalten nicht in der Schulzeit?
Wer im Busch lebt und überlebt, braucht das alles erst einmal überhaupt nicht und ist einfach glücklich mit dem, was er hat. Er richtet den Tag nach dem Wetter und den Bedürfnissen ein. Die Natur gibt alles, was zum Leben notwendig ist, beispielsweise Nahrungsmittel (gesund pur) und Baumaterialien für ein Haus.
Doch dann kommt der Kontakt zur aktuellen Welt ausserhalb vom Paradies. Es wird Kleidung benötigt, Schulgebühren für die Kinder müssen aufgebracht werden, Haushaltsgegenstände, natürlich ein Smartphone, Reis und Noodles.
Um das alles zu bezahlen muss man irgendwie Geld verdienen und Geld verdienen ist in der Regel verbunden mit arbeiten. Selbst stehlen ist doch auch irgendwie Arbeit?
Wer also etwas anderes möchte, sich weiterentwickeln möchte, wer andere Lebensverhältnisse für seine Kinder möchte, dem sollte auch die entsprechende Unterstützung zuteilwerden. Der erste Schritt in eine Zukunft mit Wahlmöglichkeiten, diese selbst zu gestalten, ist eine gute Schule und die Möglichkeit zum Schulbesuch.
| Datum | Eingang | Ausgaben | Saldo in Euro | Saldo in SBD | |
| 03.12. | 50,00 € | ||||
| 25.11. | 50,00 € | ||||
| Sabine M. | 03.11. | 100,00 € | |||
| Brigitta H. | 25.11. | 20,00 € | 220,00 € | $1.936,00 | |
| Sailors cash | 09.11. | 100,00 € | 320,00 € | $2.816,00 | |
| Barbara | 01.12. | 50,00 € | 370,00 € | $3.256,00 | |
| Sylva | 18.12. | 50,00 € | 420,00 € | $3.696,00 | |
| Erste Hilfe | 05.12. | 74,05 € | 345,95 € | $3.044,36 | |
| Zahnbürsten | 11.12. | 76,50 € | 269,45 € | $2.371,16 | |
| Hanne G. | 200,00 € | 469,45 € | $4.131,16 | ||
| Andrea B. | 100,00 € | 569,45 € | $5.011,16 | ||
| Inga | 20,00 € | 589,45 € | $5.187,16 | ||
| Sylva | 18.12. | 10,00 € | 599,45 € | $5.275,16 | |
| Urte P. | mehrfach Spenden | 315,00 € | 914,45 € | $8.047,16 | |
| Tehila Gebäude-Neubau | Müllbeutel/Wasser/Spende 18.02.2025 | 149,00 € | 765,45 € | $6.735,96 | |
| 100 Kinderbücher | 19.02.25 | 105,00 € | 660,45 € | $5.811,96 | |
| Doctors 2 days | 220,00 € | 440,45 € | $3.875,96 | ||
| 10xZahnpasta | 10.06. | 13,00 € | 427,45 € | $3.761,56 | |
| 50 Kinderbücher | 15.07. | 50,00 € | 377,45 € | $3.321,56 | |
| Kinderkleidung für Varu Primary | 15.07. | 12,00 € | 365,45 € | $3.215,96 | |
| Saldo Aktuell | 365,45 € |
