Samoa – TALOFA – vom 1.6. bis 14.6.2016

Am Mittwoch, den 1. Juni verlassen wir morgens früh Tonga. Außerhalb der geschützten Lagune weht der Wind mit um den 20 Knoten aus Ost-Nord-Ost. Etwas mehr südlich wäre für unsern Kurs bequemer, aber es reicht um am Wind Samoa anlegen zu können. Segel setzen und Angel ausbringen ist eins. Und es dauert keine zehn Minuten, da ist das Angelvergnügen für Hermann auch schon vorbei. Ein rund 7 kg schwerer Thuna hängt an

unserer Angel. Damit sind unsere Kapazitäten im Kühlschrank erschöpft und es herrscht zumindest bis zum nächsten Tag, also bis kurz vor Ankunft in Samoa, Angelverbot 
Beim ersten Tageslicht am Donnerstagmorgen tauchen im frühen Dunst auch schon die Konturen der Inseln von Samoa vor uns auf. (American Samoa liegt weiter östlich und soll nicht so reizvoll und vor allen teuer sein).

Wir wollen zunächst in die Hauptstadt Apia, der einzige Port of Entry für Samoa, auf der Insel Upolu. Es wäre natürlich günstiger gewesen die Insel östlich zu umfahren und dann mit dem Wind bis Apia zu segeln. Da uns der Wind in der letzten Nacht aber nicht den Gefallen getan hatte auf Süd -Ost zu drehen, hat uns unser am-Wind-Kurs direkt zwischen die beiden Inseln Savai’i und Upolu geführt. Jetzt heißt es vier Stunden an der Nordseite der Hauptinsel Richtung Apia gegen den Ostwind an zu Motoren. Zeit zum Wasser machen und die Tanks zu füllen und die Batterien aufzuladen. Ist doch auch gut 
Die Einfahrt nach Apia führt durch die Riffe. Vergeblich suchen wir die in unserem Buch beschriebenen Peilmarken, die wenn man, wie wir von Westen kommend, erst sehr spät sehen soll. Es wurde nämlich das jetzt in Ufernähe gelegene Regierungsgebäude vor die hintere Peilmarke gebaut. Wir halten uns deshalb an den Peilstrich auf unserem Kartenplotter. Und dann entdecken wir auch, dass die zweite Peilmarke jetzt oben auf einem Berg steht. Also, alles gut. Wir sind auf dem richtigen Weg.
Wir wollen vor der Stadt vor Anker gehen. Doch erst einmal rufen wir über Funk die Hafenbehörden an, um uns anzumelden und die Genehmigung zum ankern zu bekommen. Die Hafenbehörden fühlen sich jedoch für uns nicht zuständig. Wir möchten bitte in die Marina fahren und dort alle Formalitäten erledigen. Na denn. Wir hatten ja schon vorher über Radio Coco erfahren, dass man die Angelegenheiten hier sehr individuell und unterschiedlich regelt.
Die Marina ist so gut wie leer und wir können unseren Liegeplatz mit Strom- und Wasseranschluss frei wählen. Es dauert etwas, bis wir jemanden von der Marina auftreiben. Heute ist nämlich Feiertag. Besser gesagt ’nach-Feiertag‘   Der nationale Feiertag (Samoa independence-day) war nämlich gestern, also am 1. Juni. Und weil ja alle wieder einen klaren Kopf bekommen müssen, ist heute auch noch frei. Von der Marina ist also nur einer der Securities greifbar. Der ist aber sehr nett und versucht sein Möglichstes, um Health, Quarantine, Migration und Customs trotz nach-Feiertag zu aktivieren und zu uns kommen zu lassen. Aber vor Freitagmorgen besteht keine Möglichkeit. Wir dürfen offiziell also nicht an Land. Doch das Hafenrestaurant direkt am Steg ist ok. Und dort können wir auch mit Kreditkarte bezahlen, sodass wir auch kein Währungsproblem haben. Zum Geldautomaten und zum Einkaufen geht es dann eben erst am nächsten Nachmittag.

TALOFA! Willkommen in Apia.

Vielleicht war es ganz gut vorher noch einmal in Tonga gewesen zu sein. Die paradiesischen Inseln und Strände Tongas werden wir hier nicht finden. Doch das Leben der Menschen in Tonga haben wir als an der Armutsgrenze empfunden. Es gab nicht mehr, als unbedingt notwendig. Und eben auch nicht immer alles oder manchmal überhaupt etwas, wie zum Beispiel Obst und Gemüse in Pangai. Entsprechend ist auch das Bild der Autos, Straßen und Häuser dort geprägt.
Der erste Eindruck von Samoa hier in Apia unterscheidet sich deutlich von Tonga, aber auch von den übrigen Südseeinseln. Es ist nicht so städtisch, wie beispielsweise Papeete, aber moderner als Nuku‘alofa. Das Sheraton versprüht einen Hauch internationalen Flairs. Die Autos, die hier fahren, sehen überwiegend gepflegt aus und nicht, als wenn sie seit Jahren TÜV-überfällig sind. Die Straßen sind überwiegend gut befahrbar. Die Häuser sind allerdings ein Thema für sich, dass wir weiter unten noch beschreiben werden. Der Obst- und Gemüsemarkt soll 24 Stunden am Tag geöffnet sein. Das wird wohl nicht so ganz stimmen. Doch sind die Öffnungszeiten weit ausgedehnter, als in Tonga. Wie in Tonga sind auch die meisten Samoaner freundlich, hilfsbereit und jederzeit für ein Schwätzchen zu haben. Ob Kinder oder Erwachsene, fast jeder grüßt, wenn man vorübergeht. Man kann getrost über die Straße gehen, ohne gleich überfahren zu werden, denn die Autofahrer sind hier freundlich und rücksichtsvoll. Es wird viel gehupt, doch nur um andere vorüberfahrende zu grüßen. Wenn wir durch die Straßen gehen und die Menschen beobachten, haben wir den Eindruck, es ist ein glückliches Leben hier. Die ganze Atmosphäre strahlt eine gewisse Leichtigkeit und Zufriedenheit aus, die wir als besonders empfinden.

Übrigens war Samoa Anfang des letzten Jahrhunderts einmal deutsche Kolonie, bis dann Neuseeland die Verantwortung nach dem ersten Weltkrieg im Rahmen des englischen Commonwealth übernommen hat. Vereinzelt findet man noch den deutschen Kolonialbaustil und es soll auch immer noch deutschsprachige Familien geben.

Es gibt Unmengen von Taxis. Fast jedes vierte Auto scheint ein Taxi zu sein, dass versucht, eine Tour zu ergattern. Einige Taxifahrer stehen auch häufig am Ende des Steges der Marina und bieten ihre Dienste an, zu übrigens sehr unterschiedlichen Preisen.
Wir verabreden für Sonntag eine Inselrundfahrt zur Besichtigung des östlichen Teils der Insel. Unser Taxifahrer heißt Junior. Er ist ein netter Kerl, geht aufgrund seines Körperumfangs wie ein Sumo Ringer und scheint sich deshalb insgesamt nur sehr ungern zu bewegen. Ihm liegt am Herzen uns sein Samoa zu zeigen. Er wird uns erzählen, was Traditionen sind, uns die üblichen Speisen probieren lassen und uns zu den schönsten Plätzen der Insel führen.
Wir sehen die teilweise sehr herrschaftlichen Gebäude der einzelnen Botschaften hier vor Ort, den Botanischen Garten mit der schönen alten Villa, utopisch anmutende Kirchen, überhaupt liegen Unmengen von Kirchen an unserer Route, Wasserfälle, auch mit Bademöglichkeit, diverse schön angelegte Resorts. Dann besuchen den Ocean-Trench-Park. Ocean Trench deshalb, weil es hier zwei Kraterlöcher mit ca. 50 bis 80 m Durchmesser gibt, die unterirdisch einen Zugang zum Meer haben. Über eine Leiter kann man in das eine Loch hinuntersteigen und dort in einem Pool baden, der durch Meerwasser bei Flut immer neu gefüllt wird. Den Mittagslunch gibt es in einem Resort. Ein Omu-Büffet wird serviert. Neben dem im traditionellen Erd-Stein-Ofen zubereiteten Schwein gibt es Tarowurzeln und mit Kokos zubereitete Taroblätter, außerdem rohen Fisch in Kokos und verschiedenes mehr. Die Fahrt geht durch die Berge, Dschungelgebiete, zahllose kleine Dörfer an der Küste entlang. Weiße Strände, Riffe, Resorts und Lavafelder wechseln sich ab. Wir erfahren, dass viele Häuser hier beim letzten Tsunami zerstört wurden und nur teilweise wiederaufgebaut. Die traditionellen Häuser wurden weitestgehend damals nicht zerstört, dass sie offen sind und das Wasser sofort wieder herausläuft (erklärt uns Junior). Viele Familien sind inzwischen aber auch in höher gelegene Gebiete gezogen, was für sie eine Schwierigkeit anderer Art nach sich zieht. Dort, wo sie jetzt wohnen, fährt kein Bus. So müssen sie erst einen beschwerlichen Fußweg auf sich nehmen, um zur Küstenstraße zu gelangen. Verpassen sie den einzigen Bus am Morgen, haben sie keine andere Möglichkeit zur Arbeit in die Stadt zu kommen.
nachmittags um 4.00h erreichen wir nach der siebenstündigen Rundfahrt wieder die Marina, erfüllt von vielen neuen Eindrücken.

Hatten wir schon erwähnt, dass hier unser Cockpit-Thermometer eine Wassertemperatur von über 31° anzeigt?   Die Lufttemperatur beträgt meist um die 33°, gefühlte 38°. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist es häufig sehr drückend. Wer glaubt, Südsee heißt blauer Himmel und Sonnenschein, ist jedoch im Irrtum. Wir sind in den Tropen. Das bedeutet, dass es außerhalb der der Cyclon-Saison und Regenzeit, etwas weniger regnet. Etwas  Also es regnet fast jeden Tag, manchmal nur nachts. Wäre das anders, würde die Landschaft nicht so grün sein, sondern wäre verbrannt.

Dienstagabend ist Showtime. Im Restaurant gegenüber der Marina gibt es die „heißeste“ Show Apias   Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Schließlich möchten wir auch einen Eindruck von den traditionellen Tänzen und der Musik gewinnen. Man kann wählen ob man Show mit Dinner oder nur die Show buchen möchte. Da uns der äußere Eindruck des Restaurants nicht überzeugt, gehen wir also nur zur Show hin. Gezeigt werden neben den Tänzen auch eine heiße Feuershow. Selbst die ganz jungen Anfänger dürfen an diesem Abend auftreten. Der Moderator, und wohl auch Lehrer der Kids, ist besonders stolz darauf, dass zwei dieser ehemaligen Straßenkinder es mit ihrem Können bis in eine Show nach Hongkong geschafft haben. Die beiden jungen Männer haben dort jetzt ein Dauerengagement.
Wir finden den Abend gelungen und haben Spaß an den Vorführungen.

Die Währung in Western Samoa heißt Tala. Wir überlegen, ob der Name wohl von dem deutschen Taler kommt?
1 Tala entspricht in etwa 0,34 Euro-Cent.

Häuser in Samoa
Die traditionellen Häuser in Samoa sind besonders. Sie haben keine Wände. Auf der Bodenplatte, etwa einen halben Meter über dem Erdboden, stehen am äußeren Rand diverse Säulen die das Dach tragen. Die Dächer sind heutzutage meist Wellblech und die Säulen aus Beton. Einige Häuser haben zudem außerhalb der Säulen so etwas, dass in etwa aussieht wie ein Gartenzaun. Es gibt vereinzelt auch noch Häuser, die mit Palmwedeln gedeckt sind oder auch mit Holzschindeln. Die Stirnseiten der Dächer sind traditionell rund, so dass sie insgesamt wie ein langgezogenes Oval aussehen. Hübsch und einladend. In diesen Fales (Fale = Haus) wird gelebt. Wir sehen Tisch, Bett, Stühle, Fernseher usw. Andere Häuser stehen leer und dienen nur als Versammlungsraum. Meistens sitzen die Menschen dann auf dem Boden mit dem Rücken an eine der Säulen gelehnt, wie beispielsweise bei den Frauenversammlungen, die wir häufiger sehen.
Vor den Häusern sind häufig in den Gärten Grabstellen oder sogar kleine Häuser, in denen die Familienmitglieder beigesetzt werden. Von Junior erfahren wir, dass nur wer auf einem Mietgrundstück wohnt, seine Angehörigen auf einem Friedhof beisetzen lässt.
Als wir mit dem Taxi am Nachmittag durch die Dörfer fahren, sehen wir so Häufchen in den Häusern liegen: Menschen, die ihren Mittagsschlaf halten.
Es gibt zeitgemäß auch fast genauso viele Häuser mit gemauerten Wänden, Türen und Fenstern. Oder Häuser die zur Hälfte Wände haben und die andere Hälfte ist eben traditionell offen. Aber bei fast jedem Steinhaus steht dann im Garten auch ein kleineres oder größeres Haus ohne Wände.
Die Gärten sind übrigens fast ausnahmslos gut gepflegt und sehr nett angelegt. So fahren wir durch eine bunte Landschaft von verschiedenfarbigen Pflanzen, duftenden Blumen und in allen möglichen Farbvariationen gestrichenen Häusern. Selbst die gemauerten Häuser sind bunt gestrichen und die Mauerfugen farblich abgesetzt.
Märkte
Wir gehen fast jeden Tag auf die beiden großen Märkte in Apia. Den Stoff- und Souvenir-Markt und auf den Obst- und Gemüsemarkt, wo es auch Stoffe und Handwerksarbeiten, also beliebte Souvenirs gibt.
Die Preise variieren sehr. Eine Kleine Tüte Mohrrüben kostet beispielsweise 5 Tala. Ein genauso großes Tütchen Tomaten 15 Tala, 5 bis 6 große Mandarinen oder eine Papaya kosten 2 Tala. Unser Taxifahrer sagt dazu, dass es in der Stadt teuer ist. Auf dem Land sei das viel günstiger.
Unsere Marktfrau, die schon am ersten Tag sehr freundlich und hilfsbereit war, freut sich auf jeden Fall, jedes Mal wenn Sie uns sieht und wir etwas bei ihr kaufen 
Zum Mittag gibt es eine gute Portion Fish/Chicken and Chips auf dem Markt für 8 Tala, ein Getränk für 0,75 Tala. Oder ein mit Fleisch gefülltes Brötchen für 1,50 Tala. Diese Brötchen werden hier mittags in Massen verkauft. Denn auch bei den Schulkindern scheinen diese Brötchen das übliche Mittagessen zu sein.

Bei den Souvenirs verstehen wir das Preissystem allerdings überhaupt nicht. Da steht zum Beispiel auf einer Kawa-Schale ein Preis von 140 Tala. Nimmt man das Teil in die Hand, bietet der Verkäufer Sie uns für 90 Tala an. Zahlt man letztendlich 60 oder 70 Tala dafür, ist der Deal perfekt. Und das war überall auf den Märkten so. Alle Preise sind verhandelbar, manchmal eben bis zu weniger als die Hälfte.

Taxis/Leihwagen
Ein Taxi für die Strecke von der Marina bis ins Zentrum kostet 5 Tala. Doch meistens gehen wir den Weg ins Zentrum zu Fuß und nehmen nur für den Rückweg ein Taxi, damit wir unsere Einkäufe nicht tragen müssen.
Der erste Taxifahrer, der uns eine Inselrundfahrt anbietet, nennt uns einen Preis von 250 Tala. Wir informieren uns auf Grund dessen, was ein kleiner Mietwagen kostet. Der liegt bei 120 Tala. Hinzu kommen die Kraftstoffkosten. Ansonsten keine versteckten Kosten, wird uns ausdrücklich versichert. Hat man jedoch keinen internationalen Führerschein, ist eine Übersetzungsgebühr zu zahlen. Deshalb haben wir das Angebot von unserem Taxifahrer Junior (so nennt er sich wirklich) direkt angenommen, der die Tour mit uns für 160 Tala macht.
Wir treffen andere Touristen, die glatt das doppelte bezahlt haben. Wir machen die Erfahrung, dass man gut einen Deal machen kann, wenn man 20 Tala die Stunde anbietet. Und worauf man unbedingt achten sollte, sind die englischen Sprachkenntnisse des Taxifahrers. Es bringt nämlich überhaupt keinen Spaß, wenn man 7 Stunden mit jemanden durch die Gegend fährt, den man einfach nicht versteht und der umgekehrt die einfachsten Fragen nicht beantworten kann.
Wir hatten also wirkliches Glück, den richtigen Taxifahrer erwischt zu haben. Nicht nur, dass der Preis für uns in Ordnung war, nein, es lag ihm daran uns wirklich sein Samoa zu zeigen und zu erklären. So ist es nicht verwunderlich, dass wir ihn für eine zweite Tagestour für den westlichen Teil der Insel buchen.

Die Behörden
Alles ist relativ einfach beim ein- und ausklarieren. Man benötigt nur Zeit und Geduld. Für den Ausreise-Zwischenstopp in Savai’i benötigt man eine Ausnahmegenehmigung, die man kostenlos im Regierungsgebäude bekommt. Die Dame informiert dann eigentlich auch alle anderen Behörden.
Nur der Customs, der macht Theater. Trotz Ausnahmegenehmigung für Savai’i dürfen wir dort auf dem Weg nach Wallis und Futuna keinen Zwischenstopp machen. Wenn wir dort hinmöchten, müssten wir anschließend wieder zurück nach Apia kommen und hier ausklarieren. Für uns würde das bedeuten mindestens einen Tag gegen den Wind zu segeln. Außerdem haben wir uns schon bei der Migration abgemeldet nach Wallis via Savai’i und unseren Ausreise-Stempel im Pass erhalten.
Alle anderen mit denen wir darüber gesprochen haben, darunter auch zwei Zollbeamte, hatten gesagt, es ist kein Problem erst auszuklarieren und dann trotzdem noch einen Zwischenstopp in Savai’i einzulegen. Und nun dürfen wir diesen Zwischenstopp auf der Nachbarinsel nicht einlegen. Es gibt eine ziemliche Diskussion, weil es auch auf offiziellen Seiten im Internet als übliche Möglichkeit erklärt ist, und wir nicht einsehen wollen, dass das jetzt nicht möglich sein soll. Letztendlich zahlen wir die Ausklarierungsgebühr von 54 Tala und dürfen dann doch via Savai’i Samoa verlassen.

Culture Village
Hinter der Touristeninformation in Apia liegt das Culture Village. Diese Entdeckung machen wir eigentlich eher zufällig. Jeden Dienstag, Mittwoch und donnerstagmorgens um 10.30 Uhr gibt es hier eine Vorführung, die Einblick in die Kultur der Samoaner gibt. Wir finden dieses Angebot fantastisch und haben so etwas bisher noch nicht kennen gelernt. Am letzten Dienstag vor unserer Weiterfahrt gehen wir dorthin um es uns anzuschauen. In den folgenden drei Stunden bekommen wir einen nachhaltigen Eindruck von der Kultur der Samoaner.

Omu heißt das Essen, das im Erdofen (auf der Erde, nicht im Erdloch) zubereitet wird. Hierfür wird ein kräftiges Feuer angezündet. In die Glut kommen Flusssteine, auf denen die Speisen dann gegart werden. Gegart wird Fisch, Tarowurzeln (ähnlich unserer Kartoffel), grüne unreife Bananen, Taroblätter mit Kokossaft. Es wird gezeigt, wie eine Kokosnuss (ziemlich flott) geschält und geknackt wird, ausgeschabt und der Saft in einem dünnen Fasergewebe (hergestellt aus den Blättern einer nichttragenden Bananenart), ausgedrückt wird. Üblicherweise gehört zum Omu auch häufig ein Schwein. Heute in der Vorführung gibt es jedoch Fisch. Die Speisen werden zum garen mit Bananenblättern abgedeckt und dem Brennmaterial des letzten Omu. Das alte Brennmaterial wird rundherum um die Feuerstelle festgestampft, um möglichst die Hitze bei den Steinen zu halten. Es ist wie ein Tanz zudem gesungen wird. Das Essen braucht eine dreiviertel Stunde zum garen. Das ist die Zeit, die es braucht, zum Besteigen einer Palme und Flechten von zwei Körben, in denen das Essen dann getragen werden kann. So wurde die Zeit gemessen bevor es Seiko gab. 
Im nächsten Haus wird anschließend gezeigt, mit welchen Werkzeugen die Holzarbeiten hergestellt werden, wie beispielsweise die Kawa-Schalen.
Weiter geht es zu den Tattoos. Wir dürfen zuschauen, wie ein Mann und eine Frau tätowiert werden, und erfahren, was die aufwendigen Tattoos bedeuten. Wie beispielsweise die Tattoos der Männer von Nierenhöhe bis hinunter zu den Knien. Uns war schon aufgefallen, dass in Samoa viel weniger Menschen tätowiert sind, als beispielsweise auf den Marquesas. Hier erfahren wir jetzt, woran es liegt. Wer sich tätowieren lässt, muss es in einem Stück machen lassen. Also täglich einige Stunden und das bis zum einem Monat. Eine echte Tortur. Wer so eine Tätowierung anfängt und nicht zu Ende bringt, bringt Schande über die ganze Familie. Deswegen machen das eben nicht so viele, sondern nur die besonders mutigen Männer und Frauen.

Jedes Dorf hat seine Heilerin. Zu der gehen die Samoaner auch heute noch. Zum Arzt oder ins Krankenhaus geht man nur, wenn die Heilerin nicht helfen kann. Allheilmittel bei Kopfschmerzen sind übrigens die roten Blätter einer bestimmten Pflanze, die wir in fast jedem Garten gesehen haben.

Besonders spannend finden wird die Herstellung der Tappas. Von einer bestimmten Pflanze wird ein etwa 1 m länger Zweig mit ca. 3 cm Durchmesser genommen und die Rinde abgeschält. Von der Rinde wird die innere Schicht abgetrennt, ein Streifen von ca. 7 cm Breite. Über diesen Streifen wird jetzt mit Wasser und einer Muschel gestrichen, bis das Gewebe die doppelte Breite erreicht hat. Dann wird der Streifen gefaltet und wieder so behandelt, immer wieder gefaltet, befeuchtet, gestrichen und letztendlich gerollt und geschlagen. Auf diese Weise entsteht ein sehr dünnes, aber stabiles Tuch von ca. 40 cm Breite und 1 Meter Länge. Wenn es getrocknet ist, werden mit Naturfarben die traditionellen Muster aufgebracht. Löcher werden mit der Tapiokawurzel (Stärke) und kleinen Stückchen zugeklebt. Größere Tappas werden auf diese Art zusammengeklebt, meist in mehreren Lagen. Verwendet werden Tappas (ähnlich einem Filz) als Deko und für Kleidung.

Zum Abschluss der Veranstaltung bekommt jeder eine Portion der verschiedenen Speisen aus dem Omu bevor es noch eine tolle Tanz- und Gesangsshow zu sehen gibt.

Es scheint üblich zu sein, dass die Tanzgruppen anschließend Geld für sich sammeln, ganz gleich, ob Eintritt gezahlt wird oder es, wie in diesem Fall eine kostenlose Veranstaltung ist.
Überhaupt wundern wir uns, wo überall kassiert wird. Gebühren für den Eintritt in den Ocean-Trench, für den Besuch eines Wasserfalls, der Sliding Rocks, der Blow Wholes. Eigentlich muss man bei fast jeder Sehenswürdigkeit bezahlen. In der Regel sind 5 Tala Eintritt pro Person zu zahlen. Dass etwas kostenlos ist, ist eher die Ausnahme. Das Hotel Return to Paradise beispielsweise nimmt sogar 25 Tala, wenn man nur auf das Gelände zum Hotel fahren möchte, vergütet wohl aber einen Teil beim Verzehr von Essen und Getränken.

Schade finden wir nur, dass die Ankermöglichkeiten nur sehr beschränkt sind. Es ist schwierig geschützte Buchten zu finden. So bleiben wir in Apia in der Marina bis zum ausklarieren und der Weiterfahrt zur Nachbarinsel Savai’i.

Die Eindrücke und das Erlebte der knapp zwei Wochen hier auf der Insel ist so vielfältig und reichhaltig, dass wir gar nicht alles wiedergeben können. Samoa ist aus unserer Sicht auf jeden Fall eine Reise wert und wir sind froh, dass wir hierhergekommen sind.

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