Fidschi – Bula Bula – vom 2.7. bis 1.8.2016

Früher am Vormittag als erforderlich, verlassen wir Futuna und damit auch wieder Europa. Bis Fidschi und Savusavu sind es rund 260 Meilen.
Wir sind mal wieder zu schnell. Der Wind, der nur eine leichte Brise sein sollte, weht mit um die 20 Knoten und bringt uns am Wind schnell Richtung Süden und in die große, Riff-freie Passage Richtung Vanua Levu. Am Sonntag bremsen wir unsere Fahrt, machen die

Segel kleiner. Trotzdem müssen wir mit mehreren langen Schlägen nachts in der Bucht vor Savusavu kreuzen, bevor es wieder Tag wird und wir die Einfahrt durch das Riff bei guten Tageslicht nehmen können. Montagmorgen kurz vor 8.00 Uhr machen wir pünktlich zu Dienstbeginn der Marina und auch der Behörden an einer Mooring der Waitui Marina fest.

Dem umfangreichen Einklarierungsverfahren sehen wir gelassen entgegen. Schlimmer oder komplizierter als in Neuseeland wird es hier nicht sein, da man sich hier an das Neuseeländer Verfahren angelehnt hat. Nur sind es hier vier Personen, die an Bord kommen: Health, Quarantine, Migration und Customs. Und so ist es dann auch tatsächlich relativ entspannt. Wir haben nur zu viel Bier und Wein an Bord und auch das lässt sich unkompliziert mit dem Zollbeamten regeln. Man möchte uns schließlich unseren Aufenthalt in Fidschi nicht verderben, heißt es in der Begründung

Bula Bula (Hallo, Guten Tag) – herzlich willkommen in Fidschi!!!

In Savusavu sind hier und da noch die Verwüstungen zu erkennen, die der Cyclon „Winston“ Anfang des Jahres hinterlassen hat. Das Boot, das neben uns liegt, hat den Besanmast verloren, diverse Schrammen und eine verbogene Stahlreling. Der Katamaran PACIFICA hat an Land vor dem Supermarkt auf der Straße gestanden Nun schwimmt er wieder relativ unversehrt neben uns. Sie haben insgesamt dann doch wohl Glück gehabt.
Der Steg der Marina ist nur noch ein trauriger Rest. Hier und da sehen die Dächer sehr neu aus. „Winston“ hat die alten Dächer ergriffen und durch die Luft gewirbelt. Auch an vielen anderen Stellen werden wir später noch die Spuren sehen, die der Cyclon hinterlassen hat und wo bisher weder Zeit, noch Geld und Material vorhanden sind, um die Schäden zu beheben.

Savusavu ist ein sehr kleines Städtchen, ähnlich wie Neiafu in Tonga, doch mit besseren Einkaufsmöglichkeiten. Darüber hinaus gibt es nicht allzu viel zu sehen und wir wollen, nachdem wir uns mit Fleisch, Obst und Gemüse versorgt haben, eigentlich weiter. Doch dann erreicht uns die Nachricht, dass die WALKABOUT ihren Kurs geändert hat und noch diese Woche ebenfalls hier eintreffen wird. Grund genug unsere Pläne für die Weiterreise zu verschieben. Wir freuen uns darauf, Thomas und Frauke wieder zu sehen. Am Donnerstagmorgen hören wir dann, wie die WALKABOUT versucht sich ordnungsgemäß über Funk bei den Hafenbehörden anzumelden. Ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Dort meldet sich niemand und man kann sich freuen, wenn andere Segler sich erbarmen und einem Rückmeldung geben, wohin man zum Einklarieren muss und wo man am besten festmacht.
Das Wiedersehen feiern wir dann abends an Bord der PACIFICO. Er gibt natürlich viel zu erzählen und zu berichten, denn es sind ja mehr als zwei Monate vergangen, seit wir uns zuletzt in Neuseeland gesehen haben.

Am Sonntag sehen wir uns gemeinsam mit Thomas und Frauke Vanua Levu an. Wir haben ein Taxi für diese Fahrt angeheuert. Diesmal haben wir auch darauf geachtet, dass der Fahrer ein für uns verständliches Englisch spricht.
Die Insel ist natürlich viel zu groß, um alles an einem Tag zu sehen. So sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt, wie beispielsweise die brodelnden heißen Quellen in Hafennähe. Die Anwohner nutzen diese kostenlose Energiequelle, um ihre Speisen zu garen. Auch heute steht hier ein mit Jute abgedeckter Kochtopf im brodelnden Wasser mit der Sonntagsmahlzeit einer der Familien, die hier wohnen. Mahendra, der Taxifahrer, erzählt uns die Geschichte von einem kanadischen Segler der „zu tief ins Glas geschaut“ hatte, und beim Einsteigen ins Dingi unten am Wasser in die dortige heiße Quelle gefallen war. Die schweren Verbrennungen waren für ihn tödlich, berichtet Mahendra.
Der anschließende Besuch des botanischen Gartens ist dann ein überraschend teures Vergnügen. Bevor wir uns darüber ärgern, verbuchen das Eintrittsgeld unter „Winston“ -Hilfe, denn auch hier hat der Cyclon ziemlich gewütet und vieles zerstört. Die Führung durch den von privater Hand gestalteten Garten ist durchaus interessant und wir erfahren vieles auch über die einheimische Vegetation.
Bei dem Besuch eines schon seit 10 Jahren zum Verkauf stehenden Resort, wundern wir uns dann doch leicht schmunzelnd über Mahendra. Will er, dass wir dieses großzügig angelegte und gut gepflegte Millionen teure Objekt kaufen und bekommt er dafür möglicherweise sogar Provision? Zum Abschluss fahren wir noch in ein Village, übergeben dort unser Kava-Geschenk, zahlen pro Person zusätzlich noch zehn Dollar und dürfen uns nach der Übergabezeremonie auf dem Villagegelände mehr oder weniger frei bewegen. Wir wollen zu dem Wasserfall, der sich hier befindet und nehmen ein erfrischendes Bad.

Von Mahendra erfahren wir auch so einiges über Land und Leute. Ein Großteil der Bevölkerung ist indisch. Das ist die Bevölkerungsschicht, die arbeitet und Geschäfte betreibt. Die Ur-Fidschianer leben im Village und arbeiten eigentlich nur das nötigste, haben ein großes freundliches Herz und trinken Kava. Wegen dem trinken von Kava (gemahlene Wurzeln) erreichen sie auch kein sehr hohes Lebensalter und sehen mit 50 Jahren bereits aus, als wären sie 80 Jahre alt. Kava-trinken lässt die Haut schneller altern und verringert die Lebenserwartung. So in etwa sagt Mahendra. Im Village würde er nicht leben wollen.
Nun, es wird sicherlich nicht ganz so drastisch sein, doch es wird schon etwas Wahrheit in dieser Aussage stecken. Das mit dem großen Herz und der Freundlichkeit stimmt ganz bestimmt
Wir beschließen diesen Ausflug abends mit unserer eigenen Kava-Zeremonie an Bord, denn wir sind doch inzwischen ziemlich neugierig, wie dieses Gesöff denn schmeckt und wirkt. Alle sind sich einig, dass es wie lauwarme Pfütze schmeckt. Auf Lippen und im Mund entsteht ein taubes Gefühl und überhaupt fühlt man sich ziemlich entspannt. Trotzdem, ein Renner ist das nicht und schon gar kein Ersatz für ein leckeres Glas Wein oder ein kühles Bier.

Nach letzten Einkäufen am Montag geht es dann los Richtung Flughafen Nadi, um unseren Besuch aus Deutschland abzuholen. Wir haben für die Strecke von rund 140 Meilen Luftlinie über 14 Tage Zeit. Viel Zeit, um sich unterwegs auf mehr oder weniger direktem Weg die Küste der Hauptinsel Viti Levu anzusehen. Leider bleiben aus Wind- und Zeitgründen der Besuch der bestimmt reizvollen Inseln weiter östlich von Savusavu auf der Strecke. Sehr zur Enttäuschung von Hilde. Der Besuch der Insel Yadua zwischen den beiden großen Hauptinseln entschädigt dann jedoch etwas. Es ist unsere dritte Station, seit wir am Montag in Savusavu aufgebrochen sind. Die idyllische Nadi Bay in der Nähe des Flughafens von Vanua Levu erwies sich durch den eindringenden Pacific-Schwell als eher ungemütlich. Der nächste Ankerplatz war zwar ruhiger, aber die ufernahen Mangroven trüben dort das Wasser und laden auch nicht zum Baden ein.

Wir ankern in Yadua in einer windgeschützten Bucht im Osten der Insel. Zwei weitere Boote verbringen in unserer Nachbarschaft die erste Nacht hier, bevor sie am nächsten Morgen zur Yasawa Group aufbrechen. Danach haben wir die Bucht, bis auf einen kurzen Besuch einer Gruppe Einheimischer, für uns. Wir genießen jetzt unbefangenes freies Südsee-Feeling, wie wir es mögen.

Bis wir Vuda Point, eine Marina in der Nähe des internationalen Flughafens Nadi, erreichen, beschäftigen uns so einige andere Probleme.

Zunächst hatte ja in Savusavu unser Kühlschrank gestreikt. Nach unserer Erfahrung mit einem defekten Kühlschrank durch Patagonien zu fahren, hatten wir ein Ersatzteil für diesen Fall bereits aus Deutschland mitgebracht. Doch letztendlich war nur eine Sicherung verschmort und musste ersetzt werden. Das Ersatzteil braucht also angenehmer weise nicht eingebaut werden.

Das nächste Problem ist die elektronische Selbststeuerungsanlage. Als wir sie einschalten steuert sie, trotz Standby-Modus, schon los. Und zwar immer im Kreis! Und auch ansonsten verhält sie sich überhaupt nicht, wie im Handbuch beschrieben. Der Selbsttest fängt immer wieder von vorne an, ohne ein Ergebnis zu zeigen. Kurzfristig reagiert die Anlage mal wieder richtig. Dann „spinnt“ sie wieder völlig. Hermann misst, soweit möglich, alles durch und kommt zu dem Schluss, dass es das Bedienelement ist, das da defekt ist. Eine Bestellung in Deutschland wird in Auftrag gegeben. Doch da die Anlage schon über 20 Jahre alt ist, gibt es keine Ersatzteile mehr. Wir finden ein Angebot eines passenden gebrauchten Bedienungselements bei eBay. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir, dass dieses Angebot schon zwei Jahre alt ist und damit schon lange abgelaufen. Im nächsten Versuch wird das Teil noch einmal ausgebaut und in die Sonne gelegt. Und, oh Wunder, als wir es ein paar Stunden später wieder einbauen, funktioniert es wieder. Natürlich beobachten wir eine Zeitlang unseren Kurs ganz genau, wenn wir die Selbststeuerungsanlage eingeschaltet haben. Doch sie scheint tatsächlich wieder ganz normal zu arbeiten. Erst einmal eine Sorge weniger.

Wir liegen in Yadua vor Anker. Am späten Abend rattert plötzlich die Ankerwinsch los. Hermann schaut nach und stoppt sie. Das Stück Kette, das ausgelaufen ist, wird wieder eingezogen. Alles gut. Doch es dauert gar nicht lange, da rattert das Ding schon wieder los. Jetzt schaltet Hermann die Stromzufuhr ab, damit wir erst einmal Ruhe haben. Am nächsten Tag wird die Anlage geprüft und durchgeschaut. Sie lässt sich nur noch mit der Fernbedienung in Gang setzen. Also ist logischer weise das Bedienungselement defekt. Durch einen kleinen Riss ist Feuchtigkeit eingedrungen und hat die Kontakte korrodieren lassen. Eine gründliche Reinigung und neue Abdichtung behebt den Fehler.

Lautoka ist die nächst größere Stadt in der wir einkaufen können. Wir wollen dort direkt vor Anker gehen, um unseren Obst und Gemüsevorrat wieder zu ergänzen. Es dauert eine Weile bis wir einen geeigneten Ankerplatz in der kleinen Bucht neben dem großen Pier finden. Wie gewohnt wird der Anker eingezogen und hält auch sicher. Doch als wir den Motor ausschalten wollen, passiert gar nichts. Er, der Motor, tuckert weiter munter vor sich hin. Da nützt kein Knopf drücken, kein Schlüssel drehen. Was ist das denn jetzt???!!! Hermann prüft, soweit weit möglich, woher der Fehler kommen kann. Natürlich könnten wir die Dieselzufuhr stoppen. Dann geht der Motor auf jeden Fall aus. Doch was dann??? Wir sind zunächst etwas ratlos. Und allzu viel Zeit bleibt uns auch nicht mehr, bevor es dunkel wird. Prima ist, dass wir vom Boot aus ins Internet können. Schnell ist dann ein Service Dienst für unseren YAN gefunden. Und es geht sogar jemand ans Telefon als wir dort anrufen. Wir vereinbaren einen Termin für den nächsten Morgen in der Vuda Point Marina, die wir heute noch vor Sonnenuntergang erreichen können. In Vuda Point klappt denn auch alles bestens. Am nächsten Morgen finden die Techniker die beiden Fehler sehr schnell. Ein durchgescheuertes Kabel und ein gebrochener Pin in einer Steckverbindung. Nach einer Stunde ist alles wieder so, wie es sein soll.
Jetzt nur noch Wäsche in die Marina-Maschine zum Waschen geben, nach Lautoka mit dem Bus zum Einkaufen, Betten frisch beziehen und schon sind wir wieder unterwegs. Auf eine zweite Nacht in der Marina haben wir aufgrund der vielen kleinen Kakerlaken ähnlichen Zuckerrohrkäfer, für die die Moskitonetze überhaupt kein Hindernis sind, keine Lust.

Wir hoffen, dass es das jetzt erst einmal war und dieser kleine Elektro-Troll bei uns nicht weiter sein Unwesen treibt.

Nach Yadua Island liegen unsere Ankerplätze meistens vor einem der vielen Resorts, die die einigermaßen schönen Ankerbuchten säumen. Die Erfahrungen, die wir hierbei machen sind sehr unterschiedlich. Einige sind sehr freundlich und haben nichts dagegen, das wir vor dem Resort ankern, an Land kommen, um etwas zu essen oder zu trinken. Beim Vatai Eco Beach Resort fragt man uns sogar, ob wir damit einverstanden sind, dass sie ein Foto von PACIFICO und unsere Namen auf ihrer Facebook Seite veröffentlichen. Wir sind einverstanden.
Bei anderen werden wir regelrecht von den Mitarbeitern, die mit einem Motorboot an PACIFICO herankommen, verscheucht. Yachties unerwünscht und nicht willkommen!!! Vor einem 5-Sterne-Resort bekommen wir das sogar schriftlich. Höflich, aber bestimmt.

Die Dörfer haben wir bisher gemieden. Irgendwie ist uns diese Sevusevu-Geschichte (Kava) suspekt. Wir haben zwar genügend Kava-Wurzeln an Bord, um die geforderten Gastgeschenke zu machen, nach dessen Erhalt der Dorfälteste es einem dann erlaubt, baden zu gehen, an Land zu dürfen und das Dorf zu besuchen. Auch haben wir es ja nun erlebt, dass zusätzlich zum Geschenk noch Geld verlangt wird.
Ein Schweizer Segler, dem wir unterwegs begegnen und der schon seit vielen Jahren in Fidschi segelt, bezeichnet das Ganze als ‚Abzocke‘. Er würde da nicht mehr mitmachen. Wir sind nach wie vor unsicher und wissen noch nicht, wie wir damit umgehen wollen. Haben wir doch auch gehört, dass selbst die Polizei, wenn sie die Inseln der Lau-Gruppe besuchen, diese Gastgeschenke macht und den Dorfältesten um Erlaubnis fragt, wenn sie sich vor Ort umsehen wollen.
Also ankern wir erst einmal vor Resorts, wo wir um Erlaubnis für den Landgang fragen, vor einsamen Stränden oder gehen eben nicht an Land.

Hermann besucht im August in Deutschland seine Kinder und wird für drei Wochen unterwegs sein. Da Hilde nicht alleine cruisen will, gilt es einen guten Standplatz für PACIFICO für diese Zeit zu finden. Und Hilde hat sich für Musket Cove entschieden. Bevor unsere Mitsegler aus Deutschland kommen, haben wir noch genügend Zeit uns hier einmal umzuschauen. Unser erstes Ziel ist die östliche Bucht der Insel Malolo. Hier kann man wunderbar ankern und das auch noch kostenfrei. Mit dem Dingi fahren wir an den Strand und laufen das kurze Stück am Strand entlang und durch das dazugehörige Resort zur Marina. Wir können für die Zeit hier entweder eine Mooring nehmen oder einen Platz in der Marina buchen.
Es gibt hier Bars,
Restaurants,
Pools,
einen SPA Bereich,
einen Geldautomaten,
einen Souvenir Shop
und einen kleinen Supermarkt.
Also alles was man für einen drei-Wochen-Aufenthalt so benötigt
Wir sind zufrieden mit dieser Wahl und gehen zurück zum Dingi.
Als erfahrene Segler haben wir unser Dingi den Strand hochgezogen und an einem Baum festgebunden. Was diese erfahrenen Segler nicht berücksichtigt haben ist die Tide. Und jetzt ist Ebbe! Vor uns liegen etwa 300 m Riff ohne Wasser.
Wir kehren um und gehen erst einmal in einem der Restaurants Mittag essen. Als wir zurück kommen ist immer noch nicht sehr viel mehr Meer da, dafür umso mehr Riff. Wer weiß wann die Flut kommt, denn auf den Tidenkalender hatten wir nun gar nicht gesehen. Nun denn. Statt zu schwimmen wird PACIFICA jetzt samt Außenborder getragen. Zu Fuß um einiges mühsamer, als die Strecke über Wasser mit Motorkraft zurück zu legen. Aber mit etlichen kleinen Pausen erreichen wir dann irgendwann das offene Wasser und können das letzte kleine Stück dann doch in PACIFICA zur PACIFICO zurücklegen. Ich glaube, ich brauche nicht erwähnen, dass wir von dieser Aktion denn doch leicht geschafft sind.
Die nächsten Tage gondeln wir hier um die Inseln herum, bleiben auch noch einmal zwei Nächte an einer Mooring in Musket Cove, bevor wir in die Vuda Point Marina zurückkehren, um letzte Vorbereitungen für die Ankunft unserer Besucher zu treffen.

Das Taxi ist bestellt, Einkäufe erledigt, an Bord alles umgestaut, damit für unsere Gäste entsprechend bequemer Platz in der vorderen Kabine und Bad zur Verfügung steht. PACIFICO erstrahlt, so weit möglich, in bestem Glanz und freudiger Erwartung.
Der Flieger aus Sydney landet mit nur leichter Verspätung und wenig später haben wir an Bord Zuwachs bekommen. Thorsten und Inis, langjährige Freunde Hermanns, haben schon mehrere Urlaube auf der PACIFICO verbracht, zuletzt in Brasilien. Diesmal ist es zudem ein besonderer Urlaub: Silberhochzeits-Flitterwochen.
Im Gepäck haben sie auch vieles, was wir in den letzten Wochen in Deutschland bestellt haben, um diese günstige Transportmöglichkeit auszunutzen. So ist es für uns auch ein bisschen wie ‚Weihnachten‘, als sie ihre Koffer auspacken. Auch einige leckere Tropfen Wein sind dabei, die wir in der nächsten Zeit gemeinsam genießen wollen.
Gleich am nächsten Morgen brechen wir nun zur viert auf, um die Inseln der Yasawa Group zu erkunden. Unsere beiden Mitsegler sind mit Feuereifer dabei und können es kaum erwarten, dass auch die Segel gehisst werden. Der einzige, der da nicht mitmacht, ist der Wind. Aber der wird sich schon noch einstellen.

Die Ankerbuchten der Insel Waya Seva sind egal ob im Süden, Westen oder Norden zwar landschaftlich schön mit langen Stränden, doch die Nächte, die wir hier verbringen sind unruhig durch den Pacific Schwell und Windwellen. Geschützte Buchten sind etwas Anderes. Wir hoffen auf einen besseren und ruhigeren Platz bei der nächsten Insel.

Beim ersten Landgang mit unseren Besuchern geht es ins Octopus Resort im Osten der Insel Waya. Dieses Resort ist bekannt dafür, dass es Yachtie-freundlich ist. Und so ist es auch. Nicht so selbstverständlich, wie wir inzwischen wissen und auch die nächsten Tage immer wieder erfahren werden. Obwohl wir dann nur für einen kurzen Badestopp ankern mit genügend Abstand zum Strand, möchte man uns schon des Platzes verweisen. Doch manchmal schalten wir dann auch auf stur. Zum Abschied wird trotzdem freundlich gewunken. Unser Eindruck ist hierbei auch immer öfter, dass es nicht die Fidschianer selbst es sind, sondern die Resort Betreiber, die hier so unfreundlich sind.

Ein besonderes Erlebnis erwartet uns am nächsten Ankerplatz. Kaum eine halbe entfernt ist die bekannte Manta-Passage. PACIFICA muss sich hier am Samstag beweisen. Aufgerüstet mit Außenborder und an Bord vier Personen mit Schnorchel Ausrüstung. Das ist fast das Maximum des Möglichen. Und dann auch, dass wir aus dem Wasser ein- und aussteigen wollen. Eine Herausforderung für sich, denn unser Bananenboot ist dann doch eher wackelig und für solche Aktionen weniger geeignet. Aber es geht. Bei Hochwasser geht es also zur Passage, wo auch bereits diverse andere Motorboote unterwegs sind, von denen sich Touristen ins Wasser gleiten lassen, ein Stück weit mit der Strömung schwimmen, vom Boot wieder eingesammelt werden, zurückfahren und erneut ins Wasser springen.
Schon von weitem sehen wir die Flügelspitzen der Mantas, die hier durch das Wasser gleiten. Mit ihnen wollen auch wir schwimmen. Beim ersten Versuch sehen wir unter Wasser einen der großen Mantas mit seiner immensen Flügelspannweite nur wenige Meter an uns vorüberziehen. Beim zweiten Versuch gelingt es ganz nah an eines der ruhigen gelassenen Tiere heran zu kommen, zum Berühren nah, und es ist möglich eine kleine Strecke mit zu schwimmen bevor es wieder entgleitet. Unglaublich. Einfach fantastisch. Ein unwiederbringliches Erlebnis.

Um in dieser Nacht etwas weniger Bewegung im Boot zu haben, haben wir zusätzlich zum Anker eine lange Landleine gespannt, damit wir nicht wieder quer zur Welle und zum Schwell liegen. Das funktioniert hier genauso gut wie in Patagonien. Am Sonntagmorgen gegen 5.30 Uhr wird unsere Nachtruhe von einem lauten Krachen beendet. Sekunden später sind wir alle vier in der noch währenden Dunkelheit auf dem Deck. Schnell ist klar, dass der Anker nicht gehalten hat. Dabei hatten wir das am Vortag, wie immer, ausgiebig getestet. Wir ziehen die Ankerkette ein, soweit es geht. Kurz darauf setzt sich der Anker hinter einem Stein fest und wir haben wir vernünftigen Halt. Als es eine Stunde später hell genug ist, besieht sich Hermann die Situation unter Wasser. Wir sind seitlich weg gedriftet und haben dabei kurz mit dem Ruder auf einem Korallenkopf aufgesetzt. Der Schaden ist gering und wird bei Gelegenheit ausgespachtelt. Das ist noch einmal gut gegangen.

Da wir schon mal so unerwartet früh wach sind, der Anker ohnehin noch mal neu gelegt werden müsste, beschließen wir weiter zu fahren. Wir werden auf unserem Rückweg noch einmal die Gelegenheit nutzen und mit den Mantas zu schwimmen. Jetzt zieht es uns zu einem dann wirklich mal ruhigen und auch geschützten Ankerplatz in der durch den gleichnamigen Film berühmten Blue Lagoon. Eine Fahrt, die ungefähr drei Stunden in Anspruch nehmen wird.

Wir freuen uns über unsere Mitsegler. Ihre Kommentare zum Meer, zu den Inseln, den Stränden und den Ankerplätzen lassen uns erkennen, was für uns schon ein stückweit selbstverständlich geworden ist. Die Schönheit der Landschaft, die Besonderheit unserer Lebensweise. Uns wird wieder bewusster, dass es doch etwas ganz Besonderes ist, was wir hier erleben dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.