Fiji – Wartezeit – vom 16.9. bis 21.9.2017

Wasser tanken bei der Pacifico. Bevor sie sich Richtung Fulaga aufmacht, bekomme ich noch einmal 200 Liter Frischwasser.

 

Donnerstag.
Bis gestern ging die große Fiji-Regatta von Musket Cove mit etlichen Wettbewerben, Veranstaltungen und großem Spaß.
Ich hatte mich nur zur Eröffnungsveranstaltung angemeldet und zur Siegerehrung am letzten Abend. Zum abendlichen Landgang holt mich meist David von der neben mir ankernden Rewa ab. Sein Dingi ist wesentlich schneller als meines durch einen 15 PS starken Aussenborder.
Wir ankern etwas außerhalb und müssen bei Niedrigwasser um ein großes Riff herum fahren. Etwas das mit meinem kleinen drei PS Aussenborder ewig dauern würde und ich zudem im nächtlichen Dunkel und allein nicht als so angenehm empfinde.

Die letzen beiden Tage der Regatta weht es teilweise mit über 20 Knoten und man bleibt im Dingi auf längeren Strecken nicht unbedingt trocken. Da sitzt man im „kleinen Schwarzen“ im Schlauchboot und bekommt unter Umständen eine Welle nach der anderen über, da der kleine Aussenborder es einfach nicht schafft ins gleiten zu kommen.
Ruck zuck war ich pitschnass, als ich bei ähnlich starken Winden mit Hermann ins Malolo Restaurant wollte. Wir sind damals wieder umgekehrt, zurück zum Boot, eine Ladung trockene Sachen einpacken und dann das ganz noch einmal. Noch mehr nass, aber dann wenigstens trockene Sachen fürs Restaurant im Gepäck, als wir endlich angelandet waren. Bis auch meine Haare wieder trocken waren, dauerte allerdings etwas länger. Einen Fön hatten wir denn doch nicht dabei.
Nun, dass wollte ich nicht unbedingt wiederholen. Und so blieb ich dann am letzten Abend der Regatta doch lieber im Trockenen und an Bord.

Die Pacifico ist seit gestern in Fulaga, der traumhaften Südseeinsel in der Lau-Gruppe Fijis. Nicht ganz einfach zu erreichen, da sie in ungünstiger Richtung zu den Tradewinds liegt und man braucht ein günstiges Wetterfenster, um dort hinzugelangen. Gerne wäre ich jetzt auch wieder dort. Doch aus zeitlichen Gründen habe ich mich entschieden bis zur Anreise meines nächsten Mitseglers in Musket Cove zu warten. Und der kommt eben jetzt am kommenden Sonntag. Keine Zeit für Fulaga in diesem Jahr.

In dieser Wartezeit entsteht auch ohne aktive Regatta-Teilnahme keine Langeweile. Es gibt nach wie vor etliches an der Amiga zu tun.
Inzwischen baue ich ein Armaturenbrett für den Autopiloten, Windmesser, VHF Zusatzgerät und Platz für eine Cockpituhr, die auf meiner Wunschliste steht. Und weil dort hinter dieses Brett ohnehin Strom gelegt werden muss, baue ich auch gleich noch eine 12 Volt-Steckdose mit ein. Als diese am Schluss tatsächlich Strom hat, den ich am Sicherungspaneel ein- und ausschalten kann, bin ich selbst wohl am meisten überrascht.
Wer mich etwas länger kennt, weiß, dass ich eine Strom- und Stromkabel-Phobie habe. Ich weiß, was eine Lüsterklemme und ein Fasenprüfer ist, doch bitte, ich muss das nicht anfassen. Und schon gar nicht darüber zwei Kabel miteinander verbinden. Nur leider teilt die Amiga diese Einstellung nicht mit mir. Sie ist da ziemlich unerbittlich, wenn es darum geht, dass etwas gemacht werden muss. Möchte ich also, dass etwas gemacht wird, führt meistens kein Weg mehr daran vorbei, dass ich es selber tun muss. Und dazu gehören eben auch Stromkabel verlegen und anschließen. Grauenhaft.
Und trotzdem fange ich an, mich daran zu gewöhnen. Kaum zu glauben.

Für das Armaturenbrett muss eine Acrylplatte und Hölzer zurecht geschnitten werden. Das ganze artet zu einem Projekt aus, weil ich es immer wieder liegen lasse, immer noch einmal darüber nachdenke, wie ich es am besten hinbekomme. Schließlich habe ich nicht schon in der Schule Werkunterricht gehabt, sondern damals noch Handarbeitsunterricht.
Als es endlich fertig ist, sieht es passabel aus, vielleicht etwas schief, aber zweckmäßig.
Und unter Deck liegen jede Menge Holz- und Acrylspäne und es ist schmutziger, als in so mancher Werkstatt. Bevor der Mitsegler kommt, gibt es hier also noch einiges wieder in Ordnung zu bringen.

Mittlerweile habe ich auch weitere nette Gesellschaft bekommen. Die Meerbaer ist direkt neben mir vor Anker gegangen. Schön zu wissen, dass man nette Nachbarn hat. Ich frag mich zwischendurch nur, ob es für die Bierbrauerei, die die beiden dort betreiben, wohl wirklich ruhig genug ist oder bei dem Wind vielleicht eher doch zu schaukelig?

 

 

Ich starte einen weiteren Versuch meine Genua-Furling in den Griff zu bekommen. Immer wieder springt die Reffleine aus der Trommel und wickelt sich um das Segel. Fatal, wenn ich in eine Situation komme, wo ich wegen zu viel Wind reffen muss und es nicht kann, weil die Genua durch die Reffleine blockiert ist. Bisher habe ich immer noch Glück gehabt und die Windverhältnisse haben mich nicht in Schwierigkeiten gebracht, während ich vorne am Bug die Blockade immer mal wieder mit Kraft und Energie lösen musste. Doch dass kann auch sehr schnell eben einmal anders sein. So verändere ich jetzt noch einmal den Einlaufwinkel der Reffleine in die Trommel, und hoffe, dass ich nun endlich bei den 90° ankomme, die es für eine einwandfreie Funktion sein sollen.
Und da ich gerade mit den Leinen beschäftigt bin, werden auch gleich die Lazy Jacks für das Grosssegel der Marke „Eigenbau“ fertig gestellt. Bin gespannt, wie oft ich die noch nacharbeiten muss, wenn es in die praktische Anwendung geht. Würde mich ja wundern, wenn irgend etwas mal auf Anhieb so ist, wie ich es mir zwar vorstelle, die Ausführung dann aber doch nicht so perfekt ist.
Für Mister Perkins hat es ja, trotz fachkundiger Hilfe, auch mehrere Anläufe gebraucht.

Nach den vielen Arbeiten mit Holz, Acryl, Leinen und Kabel ist es überhaupt wahr, ich habe schon lange nicht mehr nach Diesel gerochen. Und da war doch noch etwas? Klar. Im zweiten Tank, dem größeren der beiden, ist noch Diesel. Und das Zeug muss da raus. Sonst kann ich kein Loch in den Tank schneiden, um ihn zu reinigen und die Verstopfungen der Dieselzufuhr zum Motor beheben. Also ab unter den Tank. Zwei Minuten später rieche ich wieder nach … Es hat mir doch schon irgendwie gefehlt.

Mit List und Tücke und viel Geduld bekomme ich auch tatsächlich die letzten dreißig bis fünfunddreißig Liter abgezapft. Bahn frei für die Inspektionsklappe, die am Sonntag angereist kommen wird. Hoffentlich geht es dann so einfach, wie ich es mir vorstelle. Loch schneiden, Inspektionsklappe einbauen, Tank reinigen, Klappe zu und hoffentlich dicht, Tank neu befallen und im Ergebnis bekommt dann der Motor endlich wieder Diesel auch aus diesem Tank.
Vielleicht wird es nicht im ersten Anlauf klappen. Doch letztendlich werde ich es schaffen. So etwas nennt man wohl Gott-Vertrauen, oder? Mich hat dieses Vertrauen bisher nicht verlassen und es gibt immer einen Weg. Und wenn es so nicht geht, dann mache ich es eben anders.

Und jetzt ist es endlich Donnerstag. Anker auf, für eine Nacht nach Denarau vor Anker und am nächsten Morgen in die Vuda Marina.
Ich bin schon früh wach und werde von dem Telefon aus dem Bett getrieben. Der starke Wind von gestern hat sich in ein laues Lüftchen verwandelt. Die Sonne wird in wenigen Minuten hinter den Bergen der Hauptinsel auftauchen und schon jetzt verspricht es, ein schöner Tag zu werden.
Ich möchte gleich nach dem ersten Tee los, bereite mit letzten Handgriffen die Amiga für den zwei bis drei Stunden dauernden Törn nach Denarau vor.
Als ich so über den Bug nach vorne schaue, sehe ich dass die Meerbaer mit ihrem Heck keine zwei Bootslängen vor mir hängt. Ziemlich genau über meiner Ankerkette. Die beiden schlafen um diese Uhrzeit natürlich noch. Langschläfer. Versäumen sie nicht die schönste Zeit des Tages? Und muss ich jetzt warten, bis da langsam Leben an Bord kommt?
Da hat der Wind ein Einsehen, dreht etwas östlicher und schon liegt die Meerbaer nicht mehr direkt vor mir.
Während ich unten im Vorpiek die ersten vierzig Meter Ankerkette lege, schaue ich immer mal wieder durchs Luk nach draußen, ob der Abstand zur Meerbaer noch stimmt. Ich möchte schließlich nicht der Weckdienst sein und sehen wie der andere Skipper sich in ein „HB-Männchen“ verwandelt. (Erinnert sich noch jemand an das HB-Männchen damals aus der Zugaretten-Werbung, als es noch Zigaretten-Werbung im Fernsehen gab???)
Naja, auf jeden Fall möchte ich so etwas nicht erleben und bin entsprechend aufmerksam und vorsichtig, jederzeit bereit nach oben zu sprinten und die Amiga vor engem ungewollten Kontakt zu bewahren. Und dann kann ich auch schon den Rest der Ankerkette über den Taster am Steuerstand einholen, der Anker ist oben und die Amiga frei und in Fahrt. Endlich wieder.

Wie konnte ich nur so lange vor Anker liegen und mich nicht bewegen?! Da kann ich ja nur froh sein, dass das Boot nicht festgewachsen ist. Ich bin so froh unterwegs zu sein, dass es mir egal ist, dass die Amiga bei dem lauen Wind nur drei Knoten macht. Bloß nicht zu schnell am Ankerplatz ankommen. Lieber die Fahrt genießen. Und frühstücken. Dazu war es mir bei der Abfahrt noch zu früh.
Weil es so ein schöner Tag ist, mache ich mir zum Frühstück Pfannkuchen mit Marmelade, dazu ein heißer Tee. Für mich ist jetzt gerade die Welt völlig in Ordnung. Auf dem Wasser unterwegs sein, lecker frühstücken, es ist angenehm warm, die Sonne scheint. Nur der Wind könnte, wie eigentlich angesagt, etwas mehr wehen. Aber das ist mir in diesem Moment völlig egal. Ich habe es mit dem Ankommen nicht eilig.

Eine Stunde später muckt der neue Autopilot. Ich muss etwas näher an ihn ran, um zu lesen, welche Nachricht er mir da mitteilen möchte. Es ist ihm zu langsam!!! Bei Geschwindigkeiten unter zwei Knoten stellt er seinen Betrieb ein.
Das ist sicherlich nur eine Einstellungssache am Gerät. Doch da möchte ich im Moment nicht forschen. Schweren Herzens schmeiße ich den Motor an, um mein neues Crewmitglied zufrieden zu stellen und wieder zur Arbeit zu bewegen.

Ich gehe für meinen Zwischenstopp wenig später bei Denarau vor Anker. Dabei freue ich mich schon auf die kommende Woche. Auch wenn ich dieses Jahr wohl eben nicht nach Fulaga komme, so wird es doch schön sein, wieder unterwegs zu sein. Vorher noch zwei Tage in der Vuda Marina zum Boot reinigen, einkaufen in Lautoka und um eine neue dritte Servicebatterie zu bekommen und einzubauen.

Meinen Mitsegler werde ich am Sonntag Morgen gegen 4.30 Uhr vom Flughafen abholen. Er wird zu einer völlig unchristlichen Zeit morgens um 4 Uhr landen. Wer macht nur solche Flugpläne!

 

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