Fidschi – gegen den Wind – vom 18.9. bis 23.9.2016

Sonntag ist Bummeltag. Wir faulenzen den ganzen Tag in der Sonne vor Likuri Island. Gestern Abend durften wir im Robinson Crusoe Island Resort eine tolle Show erleben. Für 30 FJD pro Person (etwa 13,50 Euro) für das Essen war die Show inclusive. Die angebotenen Speisen, verschiedene Fleischsorten, Gemüse, Kartoffeln usw. waren durchaus nicht schlecht, nur für unseren Geschmack nicht heiß genug, also nur lauwarm,

und völlig ungewürzt. Jedoch sind wir hauptsächlich wegen der Show dort gewesen. Und die ist absolut sehenswert. Etwa eineinhalb Stunden Unterhaltungsprogramm mit Darstellung der Geschichte, wie die Inseln bevölkert wurden. Hüftschwingende Südseedamen, auch traditionelle Tänze und der Fire-Dance, der in den 1940ern von Samoa nach Fidschi gebracht wurde. Das alles in einer authentischen Atmosphäre vor einer Bambushütte und am Strand im Fackelschein. Ob die Show nun tatsächlich auch die Kultur der Fidschianer darstellt, bleibt offen und für uns fraglich. Aber man darf ja mal Träumen und so ist es ein bisschen Südsee, wie wir sie uns vorstellen. Was uns mittlerweile jedoch auch klar ist, dass die Fidschianer nicht so stolz auf ihre eigene Kultur sind, wie die Samoaner. Auf Samoa wird die Kultur hochgehalten und den Touristen präsentiert. Hier in Fidschi haben wir bisher den Eindruck, dass Kultur durch den Tourismus verloren geht. Möglicherweise auch bedingt durch ihre eigene Geschichte. Stammt die Ur-Bevölkerung aus Asien und Afrika, haben heute die Inder maßgeblichen Einfluss und machen wohl fast die Hälfte der Bevölkerung aus. Und auch politisch ist der Einfluss der Inder wohl sehr stark. ‚Fruitsalad‘ ist in diesem Zusammenhang übrigens keine Speise, sondern ein aus unterschiedlichen Völkern abstammender Mischling. Der Wind soll in der kommenden Woche weniger werden. Eine gute Chance nach Osten zu fahren, vielleicht sogar bis zur südlichen Lau-Gruppe, einer Inselgruppe zwischen Tonga und Fidschi, die durch den beständig wehenden Süd-Ost-Passat nur schwer zu erreichen ist. Fast kein Wind bedeutet für uns, dass wir die rund 200 Meilen von Suva zur Lau-Gruppe Motoren könnten, denn dorthin zu segeln, ist so gut wie unmöglich. Kurz nach 6.00 Uhr am Montagmorgen verlassen unseren Ankerplatz vor Likuri. Es ist fast windstill. Aufgrund unserer Erfahrungen in der letzten Woche ist davon auszugehen, dass der Passat uns spätestens gegen 10.00 Uhr so stark entgegen bläst, dass wir uns eine schützende Bucht für die kommende Nacht suchen werden. Wie viele Meilen wir bis dahin geschafft haben werden, bleibt abzuwarten. Mit dieser Taktik wollen wir uns an der Südküste der Hauptinsel Viti Levu bis Suva, Fidschis Hauptstadt, durchhangeln. Wie viele Tage werden wir wohl für die rund 80 Meilen in kleine Etappen brauchen? Hinter uns ist mittlerweile die TOUCAN unterwegs. Sie waren die letzte Nacht vor Likuri mal wieder unsere Nachbarn. Das erste Mal haben wir sie in Fatu Hiva im vergangenen Jahr getroffen. Ihr Ziel ist die Insel Beqa, rund 25 Meilen südwestlich von Suva. Wir schauen uns das auf der Karte an. Die Insel wäre eine mögliche Alternative zur Lau-Gruppe, wenn der Wind dann doch nicht den Vorhersagen entsprechen sollte. Um kurz nach 9.30 Uhr brist der Wind aus Süd-Ost tatsächlich auf. Also heute ist noch nichts mit Windstille und so steuern wir die schön Sovi-Bay an, in der wir relativ gut geschützt vor den Pacific-Schwell für die Nacht vor Anker gehen. Kaum eine Stunde später liegt auch die Toucan in unserer Nachbarbarschaft. Sie hatten wohl auch keine Lust gegen Wind und Welle anzustampfen. Am Dienstagmorgen sind wir schon vor 6.00 Uhr unterwegs. Wir wollen jede Minute ohne, oder zumindest fast ohne, Wind nutzen, um voran zu kommen. Für die Nacht möchten wir die Inselgruppe um Beqa erreichen. Das wäre schon toll. Es ist sonnig und schön, der leichte Wind ist im Winkel für uns so günstig, dass wir Motorsegeln können und so gute Fahrt machen. Wir halten, wie immer Ausschau nach Delphinen, Walen, Schildkröten. Doch so viele Wale, wie letztes Jahr in Tongas, gibt es hier nicht. Und gerade als Hermann sagt, „keine Wale in Sicht“, tauchen etwa 200 Meter von uns entfernt ein paar Finnen aus dem Wasser auf. Delphine? Dann müssten sie gleich auf uns zu schwimmen. Tun sie aber nicht. Also fahren wir auf sie zu. Es ist eine Gruppe kleiner Pilot-Wale. Wir zählen etwa 40 bis 50 Stück, die in der gleichen Richtung, wie auch wir unterwegs sind. Gemächlich tauchen die feucht-schwarz im Sonnenlicht glänzenden Tiere immer wieder aus dem Wasser auf, schwimmen in kleineren Gruppen ganz dicht beieinander. Kommen wir ihnen zu nahe, tauchen sie einfach unter PACIFICO durch. Vom Bug aus kann man in der Tiefe des Meeres schemenhaft ihre Leiber erkennen, wie sie zügig unter uns hinweg gleiten. Als wir Beqa erreichen ist es noch Vormittag. Der Wind ist so günstig, dass wir beschließen noch die letzten 25 Meilen bis Suva zu fahren. So haben wir gut Zeit, am Donnerstag und Freitag die vorhergesagte Windstille für unsere Fahrt zur Lau-Gruppe zu nutzen. Und die Vorhersagen scheinen ja tatsächlich zu stimmen. Wir erreichen Suva gegen 15.00 Uhr. Zeit genug um noch auf dem Markt, der bis 17.00 Uhr geöffnet hat, einzukaufen. Denken wir. Doch so einfach, wie man glauben sollte, ist es nicht. Wir wollen in der Suva Royal Yachtclub Marina festmachen. In erster Linie aus Sicherheitsgründen. Denn Philip von der BLUE BIE hatte uns erzählt, als er hier vor Anker lag, war ihm ein Laptop vom Boot gestohlen worden. Auf solche Erfahrungen haben wir nun so gar keine Lust. Also in die bewachte Marina. Wir melden uns dort über Funk an und fragen nach einem Liegeplatz. Freundlich, mehr oder weniger, sagt man uns, wir müssen vor der Marina ankern, erst einmal mit dem Dingi an Land kommen und dann mit dem Manager sprechen, ob wir einen Liegeplatz bekommen können. Royal Yachtclub eben. Nach etwa einer Stunde ist Hermann zurück, hat 100 FJD bezahlt für eine Nacht Liegeplatz und einen vollen Monat Nutzung der Facilities. Für den Markt ist es jetzt zu spät, aber vielleicht ist noch Zeit einen Latte Coffee und ein Bier in der Marina? Nachdem wir in der Marina vor Anker gegangen sind, und mit dem Heck am Schwimmsteg liegen, geht es heute also doch noch an Land. Oooooookkkkkkkk. Royal Yachtclub in Suva. Hier hat man die besten Zeiten wohl ganz, ganz früher irgendwann gehabt. Zwinkerndes Smiley Emoticon Die meisten Boote und auch die Steganlage sind nicht gerade in dem besten Pflegezustand. Und die Bar und überhaupt die ganze Clubanlage ist nun wirklich nichts Besonderes. Dagegen ist die Vuda Point Marina Luxus pur und viel, viel netter. Na, wir werden wohl nur eine Nacht bleiben. An der Bar treffen wir die vier Amerikaner, mit denen wir in Savusavu, an einem der Abende dort, bereits einmal Pizza essen waren. Pam und Ted haben auch eine Moody, die ROUNDABOUT II. Die vier kommen mit ihren beiden Booten gerade von der Lau-Gruppe zurück. Pam erzählt uns mit leuchtenden Augen, wie schön es dort gewesen ist und was sie dort alles erlebt haben. Dort müsste man unbedingt hin. Ihre Begeisterung wirkt auf uns ansteckend. Doch abends kommen bei uns im Gespräch auch wieder Bedenken hoch. Neben Sevusevu, also dem Kava-Geschenk, zahlt man in Fulaga beispielsweise 50 FJD an den Chief. Geld wird doch wohl nicht der Tradition entsprechen, oder? Allerdings wird dort nebenbei wohl nicht das Handy klingeln, da es in der Lau-Group keinen Empfang gibt, wie es eben auch kein Internet geben wird. Auf Fulaga, so hat Pam es erzählt, bekommen wir eine Gastgeber-Familie zugewiesen, die sich um uns kümmert. Also uns zum Essen einlädt, mit uns Ausflüge unternimmt und uns so dies und das zum Leben auf den Inseln erzählen kann. Auch hat Pam gesagt, dass man dort für Zucker und Mehl sehr dankbar wäre, denn das Versorgungsschiff kommt nur einmal im Monat, und auch dann ist nicht immer alles dabei, was eigentlich benötigt wird und gebracht werden sollte. Bei uns macht sich einfach ein ungutes Gefühl breit. Wir geben gerne. Grundsätzlich. Doch wir mögen nicht das Gefühl, abgezockt zu werden oder das uns Tradition vorgegaukelt wird, (Kava kostet mittlerweile das doppelte von dem was es vor drei Jahren noch gekostet hat), die nicht wirklich mehr authentisch gelebt wird. Wir fühlen uns hin- und hergerissen, was sich die nächsten Tage auch etwas auf unsere Stimmung niederschlägt. Und diese Geschichte mit der vom Dorf organisierten Gastgeber-Familie. Wir wissen nicht, ob wir das so wollen und ob wir das gut finden. Beginn: Am Mittwochmorgen beschäftigt uns zunächst jedoch ein ganz anderes Problem. Die verschmutzte Dieselleitung und auch der Filter, die in der letzten Woche für Ärger gesorgt hatten, lassen uns noch nicht los. Hermann möchte einmal in den Dieseltank schauen, ob dort noch alles so sauber ist, wie in Port Montt im letzten Jahr. Dort hatte er das letzte Mal nachgeschaut. Diesmal sind wir beide etwas fassungslos, als wir den großen Tank öffnen. Wie geplant ist er fast leergefahren und wir müssen nur noch die letzten sechs Liter abpumpen. Was aber an schmutzigen kleinen Klumpen an den Wänden und am Boden klebt ist unglaublich. Mindestens einen Kaffeebecher voll von diesem Zeug holen wir in der nächsten Stunde aus dem Tank. Kein Wunder, dass bei der Menge auch etwas die Leitungen verstopft hat. Drei Papierrollen und viele Schweißtropfen später ist es dann geschafft. Alles wieder gut. Am Nachmittag wird der Tank kontrolliert mit 300 Liter sauberem Diesel für die nächste Reiseetappe neu befüllt. Den restlichen Vormittag verbringen wir in Suva. Der erste Eindruck lädt uns nicht ein, hier länger als unbedingt nötig, zu bleiben. Also nur Einkaufen und verproviantieren. Dann zurück zum Boot und alles verstauen, während Hermann den Dieseltank befüllt. Wir erfahren, dass den Amerikanern, die vor der Marina vor Anker liegen, in der letzten Nacht ein Außenborder gestohlen wurde. Auch auf der ROUNDABOUT sollen die Diebe wohl gewesen sein, wurden dann aber irgendwie gestört, bevor sie etwas mitnehmen konnten. Diebstahl, wie er trotz Wachpersonal, auch in der Marina vorkommen soll. Hier müssen wir nicht bleiben. Nachdem wir soweit klar sind, Anker hoch und erst einmal aus der Marina heraus. Während wir aus der geschützten Landecke herausfahren, stellen wir fest, dass der Wind in der Bucht ganz kräftig aus Süd-West weht. Unser Wind!!! Nicht vorhergesagt, aber die beste Voraussetzung für unsere Fahrt Richtung Osten. Deshalb ist es uns zunächst auch egal, dass Yan jetzt wieder Hitzeattacken bekommt und wir ihn ausschalten müssen. Wir segeln. Und das bei bestem Wind. Raus aus der Bucht von Suva Richtung Fulaga, eine der südöstlichsten Inseln der Lau-Gruppe. Erst am nächsten Morgen geht Hermann der Ursache für die Motorüberhitzung auf den Grund. Er findet zwei Leckagen, aus denen Kühlflüssigkeit austritt. Danach ist der Schaden schon bald behoben und Yan hoffentlich endgültig zukünftig ohne weitere Überhitzung. Der Westwind hält vor und beschert uns eine angenehme Reise. Achtunddreißig Stunden, (wir mussten nachts mal wieder abbremsen um nicht zu früh anzukommen), nach unserer Abfahrt in Suva erreichen wir am frühen Freitagmorgen die fünfzig Meter schmale Riffeinfahrt von Fulaga und gehen um 8.00 Uhr in der Lagune vor Moana-I-Cake vor Anker. Schon unser erster Eindruck von Fulaga macht uns klar, dass sich diese Reise gelohnt hat, auch wenn wir immer noch mehr als skeptisch sind bezüglich dieser Geschichte mit dem Sevusevu und der Gastgeber-Familie.

 

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