Neuseeland – die Zeit vergeht, wie im Flug – vom 24.3. bis 29.4.2017

Wie schnell die Zeit vergeht. Eben noch habe ich darauf gewartet, mich mit dem Eigner der Altaïr über mein Angebot einig zu werden, und jetzt sind es nur noch wenige Tage bis ich nach Fiji fliege, um mein Boot zu übernehmen.

Doch der Reihe nach. Wir sind zunächst noch in der Bay of Islands. Und eigentlich habe ich gar keine Lust, nach Whangarei zurück zu segeln um die Anzahlung für die Amiga (im Moment heißt sie noch Altaïr) zu leisten und schon wieder in der der Marina zu sein. Und Hermann wohl auch nicht.
Es gibt jedoch so einige Segler, die sich hier in Neuseeland für die Aufenthaltszeit ein Auto zugelegt haben. Was hier übrigens völlig unkompliziert ist. Es gibt keinen Fahrzeugbrief und das Auto mit Versicherung meldet man einfach bei der Post an. So ungefähr.
Wir fragen also die Green Duck, ob wir für einen Tag sein Auto leihen können. Können wir. Doch dann überlegt er sich, dass er mit uns zusammen nach Whangarei fährt. Ich freue mich auf einen schönen Tag und das wird es auch.

Wir haben dann jedoch etwas Probleme die Anzahlung auf das Konto des Brookers zu bringen, weil er nicht, wie vorher besprochen, unsere Kreditkarte für die Zahlung annehmen kann. Wir müssen auf sein Konto überweisen oder einzahlen. Onlineüberweisungen Ausland sind bei den deutschen Banken (sofern eben nicht EU) nicht möglich. Also Bargeld mit der Kreditkarte ziehen und auf dem Konto einzahlen. Doch die Tagesbargeldabhebungen pro Kreditkarte sind limitiert. Nach einigem Hin und Her klappt es dann doch und wir haben es geschafft. Wir legen die Einzahlungsquittung dem Brooker vor und alles ist gut.
Ich erhalte den Schriftwechseln mit Pierre und Cathy (den Eigentümern). Außerdem zeichne ich noch einmal gegen, dass ich verstanden habe, dass ein Gutachter kostenmässig zu meinen Lasten geht. Und ich erfahre, dass Pierre, entsprechend meinem Wunsch, die erste Maiwoche für die Übergabe in Fiji vorgesehen hat. Eine weitere Etappe in Richtung eigenes Boot ist damit abgeschlossen. Ein Grund für mich zum Feiern. Und zum Einkaufen. 

Bevor wir am nächsten Tag wieder aus der Opua Ecke heraus in die Bay of Islands fahren, kaufe ich schon mal bei dem Ship-Chandler vor Ort zwei Solarpanele, einen passenden Charger und einen Alu-Trolley (zu deutsch Sackkarre). Es kostet mich einige Diskussionen mit Hermann, um ihn davon zu überzeugen, dass ich ja an Bord der zukünftigen Amiga genügend Energie benötige, und dass ich mir dieses kostengünstige Angebot einfach nicht entgehen lassen möchte. Und letztendlich geht es natürlich auch um den Transport. Ich bin in dieser Auseinandersetzung wohl so überzeugend, dass ich den Auftrag bekomme, gleich vier Solarpanele zu kaufen. Zwei für die Amiga und zwei zusätzliche für Pacifico.

Und dann geht es raus in die Bay of Islands und zur Paradise Bay, wo wir die ganze nächste Woche verbringen werden. Schwimmen, paddeln und ein Spaziergang auf der Insel lassen die Zeit nicht lang werden. Und wie eigentlich immer sind kleinere Arbeiten am Boot zu erledigen. Viele Gespräche über die Amiga und was wäre wenn und wie kann man es lösen. Wir treffen dort auch die deutschen Boote Green Duck, Qi, Sabir und Fredericke. Grund genug, einen gemeinsamen geselligen Abend am Strand mit einer Potluck-Party zu verbringen.
Nachdem dann auch am Ende der Woche noch eine Wetterfront über uns hinweggezogen ist, dass Regenwasser hat dann mal schnell unsere Tanks wieder gefüllt, geht es dann doch zurück nach Whangarei.

Noch ist es sommerlich warm, doch der Herbst ist gerade morgens schon deutlich zu spüren. Es regnet immer mal wieder. Mal mehr und mal weniger. Eine gute Zeit, um mit Pacifico (in einer hoffentlich trockenen Wetterphase) in der Woche vor Ostern aus dem Wasser zu gehen, und Rumpf und Antifouling wieder auf Vordermann zu bringen. Letztes Jahr war es Ende Februar doch ziemlich heiß und wir haben bei den Arbeiten am Boot ziemlich geschwitzt.

Wir bekommen im Dockland 5 bei Charlie am Montag vor Ostern gleich morgens einen Termin für unseren „Landgang“. Bis zum Abend ist schon die erste Hälfte vom Rumpf poliert. Am Dienstag poliert Hermann den Rest und wachst den ganzen Rumpf, während ich das alte Antifouling anschleife, die rostigen Kiel mit einem speziellen Primer streiche und auch noch einmal Primer dort aufbringe, wo vom letzten Antifouling nichts mehr übrig ist. So haben wir Mittwoch und Donnerstag für das Antifouling und zum Spachteln des Ruders, könnten Donnerstag nachmittags zurück ins Wasser. Wer will schon gerne lange mit einem Boot an Land sein?!
Das Wetter macht uns einen Strich durch diese Rechnung. Der tropische Wirbelsturm „Cook“ hat sich auf den Weg Richtung Neuseeland gemacht. In ganz Neuseeland gibt es Unwetter- und Katastrophenwarnungen und das Land bereitet sich auf diese ungewöhnlich Naturkatastrophe vor. Und wir sitzen an Land mit dem Boot.
Schon am Mittwoch bringt „Cook“ uns reichlich Regen, aber nicht besonders viel Wind. Und am Donnerstag kommen wir zum Schluss, dass wir wohl im Sturm-Zentrum sitzen, so ruhig ist es eigentlich, wenn auch weiterhin regnerisch. Charlie kommt nachmittags vorbei und erzählt etwas von gemessenen 130 Knoten Wind an der Ostküste weiter südlich. Insgesamt kommt es aber nicht so schlimm wie erwartet für Neuseeland, da der tropische Wirbelsturm vor Neuseeland zu einem, wenn streckenweise auch heftigen, Tief zusammengefallen ist.
Ab und zu denke ich, wenn ich in meiner Koje liege, dass Hermann hinten in der Achterkabine wohl ganz schön herumzappelt. Was macht er da nur, dass das ganze Boot wackelt. Immer mal wieder schüttelt sich Pacifico leicht. Nun ja, wir stehen zwar sicher auf dem Kiel, links und rechts gehalten von jeweils zwei Stahlträgern, in die wir quasi eingespannt sind, aber gewisse Bewegungen lassen Pacifico sich dann doch mitbewegen, denke ich. Dann sitzen wir beide im Cockpit beim Tee, es ist fast windstill und Pacifico bewegt sich wieder. Was ist das denn!!!
Also ist es gar nicht Hermann der herumzappelt, ich auch nicht, wie Hermann jetzt feststellt. Es ist die Erde die bebt. Normal merkt man es gar nicht. Doch dadurch, dass die 12 to, aufgehängt zwischen Eisenträgern, nur auf einem schmalen Kiel stehen, können wir jede Vibration spüren. Ist schon ein komisches Gefühl.

Während ich mich um den Unterwasseranstrich kümmere, abends die doppelte Duschration brauche, um die türkisblaue Farbe von Armen und Beinen und sonst wo herunter zu bekommen, kümmert sich Hermann vor allem um die Befestigungskonstruktion für unsere Solarpanele. Wir wollen es nach dem gleichen Prinzip machen, wie es jetzt schon auf der Pacifico vorhanden ist. Dazu benötigen wir Alu-Profile und einiges mehr, dass für unsere Zwecke passend gemacht werden muss. Und es soll ja letztendlich auch noch gut aussehen, wenn es fertig ist.

Solange wir auf dem Hardstand sind und die diversen Arbeiten erledigen, sieht es auf und in Pacifico, wie auch im letzten Jahr, mal wieder aus, wie auf einem Schlachtfeld. Überall liegt Material, Farbe, Werkzeug usw herum. Doch diesmal ist das Chaos ungleich größer. Warum ist es so, wenn doch eigentlich viel weniger Arbeiten anliegen, als im letzten Jahr, wo ja auch neue Fenster eingebaut wurden und der Mast unten war?
Das liegt daran, dass ich schon für die Amiga eingekauft habe. Und zwar nicht nur Solarpanele. Es stehen Kartons herum mit „Pött und Pann“, Geschirr, Besteck, Handtücher und vieles mehr. Am Samstag kommt mein neuer Generator, der dann auch ausprobiert wird. Außerdem behandele ich alle Schrauben mit Lanolin. Wir haben schließlich Erfahrung mit dem Pacifico-Generator, wo die Schrauben nach einiger Zeit nicht mehr heraus zu bekommen waren. Das sollte mit diesem Generator möglichst nicht passieren.

Ich lerne von Hermann spleißen. Das erste Ergebnis ist ganz passabel. Ein Ankerketten-Sicherungshaken in eine Öse eingespleißt. Wieder etwas für die Amiga.

Mit dem Generator ist auch endlich die schon zum zweiten Mal beanstandete neue 28er Winsch für die Pacifico gekommen. Hermann hat sich mit dem Hersteller/Vertrieb letztendlich auf ein Vorgänger-Modell als Ersatz geeinigt. Von dem wissen wir, dass es ok ist und bestimmt nicht dieses Problem der neuen Modelle auftreten wird. Das überraschende bei diesen ganzen Verhandlungen mit Dänemark und Australien ist, dass sie uns auch eine weitere neue Winsch der alten Serie anbieten und zwar zu einem Fünftel des eigentlichen Preises. Hermann benötigt keine zusätzliche Winsch. Aber ich. Und auch noch eine 40er zusätzlich. Und tatsächlich bekomme ich zwei nagelneue tolle Winschen zu einem Preis, für den ich nicht einmal eine Gebrauchte bekommen hätte. Großartig.

So kommt schon eins zum anderen und Pacifico füllt sich. Zeit sich langsam nach anderen Transportmöglichkeiten Richtung Fiji umzusehen.
Eine gute Gelegenheit ist dafür die Segler-Happy-Hour am Dienstag Abend, nachdem wir wieder im Wasser und zurück in der Marina sind.
Der eine und andere ist da gerne bereit zumindest ein kleineres Paket mitzunehmen. Ich werde da noch ein bisschen mit der Organisation zu tun haben, bin aber über diese bereitwillige Hilfe unter den Seglern sehr erleichtert. Schließlich soll Pacifico unter der zusätzlichen Last meiner Einkäufe ja nicht untergehen.
So finden auch 30 kg bestellten Getreides am Mittwoch ihren Weg auf die Pacifico, ein Anfang dessen, was ich auch noch an Lebensmitteln einkaufen werden.

Meine Tochter Inga in Deutschland sammelt und sortiert nun auch schon die Sachen, die sie mir nach Fiji senden wird. Dinge, die ich mit zurück nach Deutschland genommen hatte, weil ich dachte, es würde für mich hier nicht weiter gehen. Und Bestellungen, die ich von hier aus tätige, von Sachen, wie ich sie gerne bei mir an Bord hätte, hier aber nicht so leicht bekomme. Da sammelt sich gerade so einiges bei ihr in Laboe an und wir beide haben schon Angst, den Überblick zu verlieren.

Und dann kommt von Inga auch noch eine „traurige“ Nachricht. Ihr Jetta wird das Zeitliche segnen. Das gute Stück, Baujahr 1988, gehörte meinem Vater. Ich habe den Wagen von ihm geerbt, als er im September 1999 gestorben ist und ihn damals für Inga behalten, die noch keinen Führerschein hatte. Inga ist den Wagen jetzt 17 Jahre gefahren. Das ist doch in der heutigen Zeit ein beachtlicher Zeitraum und man kann nachvollziehen, dass das gute Stück ihr sehr aus Herz gewachsen ist. Schließlich ist es ihr erstes Auto gewesen, treu bei jedem Wetter angesprungen und nun leider Opfer des Rostes geworden.

Am 26. April fliege ich nach Fiji. Der Flug ist gebucht, genauso wie die Busse zum Auckland Airport und ein Hotel für die erste Woche in Fiji, bis Pierre dort anreisen wird. In der Marina war diesmal leider keine Unterbringung möglich, alles bis zum 3. Mai alles ausgebucht ist.
Jetzt wo alles sicher ist, teile ich meine Ankunft in Fiji auch schon einmal Cathy und Pierre mit, auch um zu fragen, wann ich ihn dort erwarten darf. Die Antwort darauf ist für mich denn doch etwas überraschend.
Pierre wird auch schon am 26. April in Fiji sein. Eine Woche früher, als ich es erwartet habe und es ja auch schon vereinbart war. Ich denke, ich brauche meine Freude nicht weiter erwähnen, die Herzklopfen, die ich bekomme, als ich diese Antwort lese und die helle Aufregung, die mich jetzt erfasst. Denn es ist jetzt ja nicht mal mehr eine Woche, bis ich dort sein werde.

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