Fiji – Ankunft – vom 21.4. bis 27.4.2017

In Whangarei schließe ich meine Einkäufe für die Amiga und die Saison so weit ab, wie möglich. Lebensmitteltechnisch ist es wegen der Transportmöglichkeiten eher eingeschränkt. Wenn die Pacifico startklar ist, hoffe ich dass vielleicht noch Platz für ein paar Konserven und vor allem Nudeln sein werden. Doch insgesamt bin ich ganz zufrieden.
Auf der Lionheart habe ich Handtücher, Geschirr und Töpfe unterbringen können. Ray wird voraussichtlich Mitte Juni in Vuda mit diesen Sachen eintreffen.
Wo ich dann die Rewa treffen werde, die vier dicke Bettdecken für die Amiga an Bord hat, ist erst einmal noch unklar. Doch das ist auch erst einmal nicht so eilig. Die Bettdecken sind für Crew und mich für die Rückfahrt Ende Oktober nach Neuseeland. Da kann es gerade Nachts schon einmal empfindlich kalt werden. Und nichts ist schlimmer, als an Bord zu frieren.

Der Dienstag Morgen in Whangarei ist richtig frisch. Morgens im Cockpit haben wir ganz früh nur 8°. Doch der Tag wird wunderschön und der Vormittag später angenehm warm. Heute heißt es Tasche packen für Fiji, meine verbleibenden Sachen an Bord der Pacifico einigermaßen ordentlich verstauen, damit Hermann damit hinterher nicht so herum tüddeln muss. Das meiste kann ich im ungenutzten vorderen Bad und im Schrank der vorderen Kabine unterbringen. Auf dem Boden bleiben der Generator, der neue kleine Laserdrucker und zwei Kanister mit Weizen- und Roggenkörnern. Am Nachmittag gehe ich dann doch noch einmal einkaufen und hinterlasse die Einkäufe in einer kleinen Kiste auf dem vorderen Bett. Ich bin ganz zufrieden, dass zumindest das Bett ansonsten soweit frei ist, dass Hermann nun etwas mehr Freiraum hat. Wahrscheinlich kommt Pacifico 5 cm aus dem Wasser, wenn mein Zeug dann in Vuda endlich von Bord ist.
Ich habe es aufgeben, auf die Bestätigung aus Vuda zu warten, die sie für mich bei der Immigration Fiji beantragen wollten, damit ich mit meinem One-Way-Ticket ungehindert in Fiji einreisen kann. Alternativ müsste ich von der Pacifico nun ein Schreiben mitbekommen, dass ich Crewmitglied bin und mit der Pacifico Ausreisen werde oder den Kaufvertrag von der Altaïr vorlegen, was es am Flughafen auch nicht einfacher machen wird. Doch als ich vom einkaufen zurück komme, kommt die Bestätigung doch noch mit einer Mail herein. Erleichterung. Normalerweise bekommt man sie innerhalb von drei Tagen und ich hatte sie doch schon vor drei Wochen angefordert. Es wird eben „Alles Gut“.

Dieser letzte Dienstag in Whangarei fühlt sich schon komisch an. Es fühlt sich an, wie damals die Reise nach Buenos Aires und dann Richtung Süden nach Ushuaia.
Ich trete eine Reise an, weil ich sie gerne machen möchte. Ich kann mir jedoch nicht wirklich vorstellen, wie es wird, was auf mich zukommt. Ich konnte mir damals während der Reise nach Ushuaia nicht ein einziges Mal vorstellen, dort wirklich anzukommen. Viele, einschließlich Hermann, hatten mir gesagt, es sei in keinster Weise der richtige Einstieg, um mit dem Segeln anzufangen. Durch Patagonien und Feuerland segeln, den Roaring Forties. Viele Schiffe verunglücken in diesen Breitengraden oder verschwinden ganz einfach. Und dann sind wir in Ushaia angekommen und ich fand es ganz unglaublich.
Jetzt werde ich nach Fiji fliegen, um mein eigenes Boot zu übernehmen. Und das fühlt sich einfach genauso abenteuerlich an.

Als Hermann mich am Mittwoch Morgen mit meinem Gepäck zum Bus nach Auckland bringt, habe ich vor lauter Aufregung wilde Herzklopfen. Etwas ungewöhnlich für mich, wo ich doch sonst die Ruhe selbst bin. Doch als ich dann erst einmal im Bus sitze, kehrt die Ruhe zurück und macht entspannter Vorfreude platzt. Ich genieße diese Reise, die sich anfühlt wie ein riesiger Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Denn genau das wird es ja sein.

Ich fliege mit einem günstigen Ticket der Newzealand Airways und wie bei der Lufthansa in Hamburg kann man auch bei dieser Fluggesellschaft nur am Automaten einchecken. Na, da bin ich ja mal gespannt. Und richtig, ich bekomme keine Boarding Card. Nur einen Ausdruck, ich möchte mich bei dem Airline Personal melden. Also suche ich erst einmal jemanden, der offizinell aussieht in diesem Gewühle. Die Dame, bei der ich dann lande, ist sehr freundlich, schaut auf meinen Ausdruck und gibt einige Daten in ihr Terminal ein. Da ich schon ahne was kommt, gebe ich ihr auch gleich das Schreiben der Fiji-Immigration mit meinem Pass dazu und wenige Minuten später habe ich meine Boarding Card in der Hand.
Als sich mich noch nach Flüssigkeiten usw fragt, fällt mir siedenheiss die Kartusche Polymer in meiner Reisetasche ein, die ich zum Fenster abdichten für die Amiga gekauft habe. Und richtig, die darf ich nicht mitnehmen und soll sie entsorgen. Da ich aber noch nicht am Band stehe, nehme ich meine Tasche beiseite und packe die Kartusche in meinen Kulturbeutel zum Haarwaschmittel. So schwirrt sie auf dem Röntgenbild nicht irgendwo allein in der Tasche herum und macht auf sich aufmerksam, hoffe ich.

Ansonsten läuft alles gut. In Fiji werde ich von dem Fahrer von Yachthelp am Flughafen abgeholt undeutlich meinem Hotel gebracht. Vielen Dank Sofi, dass du das für mich organisiert hast.
Das Hotel ist sehr einfach, aber günstig. Der Empfang im Hotel ist freundlich, ich zahle die Wochenrechnung in bar, da Kreditkarten nicht angenommen werden. Mein Zimmer ist noch kleiner als die Räume, die wir auf Uoleva, Tonga, in dem Resort gesehen haben und das nun schon wirklich Basic ist. Es passen gerade mal zwei Bettstellen und ein Hocker mit einem Ventilator drauf hinein. Die Bettbezüge sind sauber, alles gut. Gemeinschaftstoilette und -Dusche, Waschbecken im Vorraum. Ok. Hatte ich ja vorher gelesen, dass es so ist. Der Zustand der Facilities???!!! Ich beschließe, dass das kein Problem ist. Duschen kann ich in Vuda. Die Duschen hier sind dort gut. Sauber, genügend Platz und heißes Wasser. Kaum liege ich müde in meinem Bett, geht draußen Musik los. Es wird Guitarre gespielt und gesungen. Hört sich nett an, stimmungsvoll. Müde, wie ich bin, auch nicht weiter störend. Als dann die Jungs morgens um halb vier langsam zur musikalischen Höchstform und zwar im Chor auflaufen, reicht es mir dann doch. Ist ein Hotel nicht zum Schlafen da???? Verschlafen, wie ich bin, ziehe ich mir etwas über und gehe mal nachschauen, was dort vor meinem Fenster für eine Party gefeiert wird. Die Jungs, die dort um den Tisch sitzen, sind bester Laune und schauen mich etwas verwundert an, als ich da so plötzlich vor ihnen stehe. Innerlich muss ich über ihre Blicke schmunzeln. Ich sage nur kurz „Sorry, I want to sleep!!“ Und schon ist Ruhe. Ich hoffe, dass sie mir meinem Auftritt nicht allzu übel nehmen.

Trotzdem bin ich heute Morgen gut ausgeschlafen, weil Bett und Kopfkissen überraschend bequem sind. Nach einem Kaffee packe mein Duschzeug und Handtuch in meinen Rucksack und mache mich auf nach Vuda.

Die Fahrt hierher dauert etwa eineinviertel Stunde. Erst mit einem Bus, der direkt vor dem Hotel abfährt ins Zentrum von Nadi zum Busbahnhof. Die Fahrt kostet etwa 45 Euro-Cent. Der Bus hätte wahrscheinlich in Deutschland nicht einmal auf dem Schrottplatz eine Überlebenschance. In der Reihe neben mir ist hinter dem Sitz der Boden durchgerostet. Durch die Ritzen kann ich auf die Straße schauen. Fenster gibt es nur in der Front und dann die Heckscheibe. Genau passen tun die Scheiben nicht. Zwischen Rahmen und Scheiben mit Gummidichtung kann man auch immer mal wieder ins Freie schauen. Ansonsten gibt es über den offenen Fenstern Rollos, wahrscheinlich um bei Regen nicht zu nass zu werden. Die Straße ist ziemlich holprig und in dem alten Bus wird man etwas durchgeschüttelt. Der Motor ist ziemlich laut doch klinkt er verlässlich, während er so vor sich hinröhrt.

Ich bin in Fiji.

An der Straßenkreuzung, wo der Weg zur Marina abzweigt, setzt mich der Busfahrer ab. Noch drei Kilometer zu Fuß? Nein dort steht ein Taxi und bringt mich das letzte Stück. Der Taxifahrer gestern Abend wollte für die Tour von Nadi nach Vuda von mir 60 FJD, also etwa 27€. Mit den beiden Bussen hierher, (der Zweite in Richtung Lautoka, der mich hier abgesetzt hat, hatte immerhin Fenster und einen intakten Boden), und dem Taxi für die letzten drei Kilometer hat das ganze dann nur 7,85 FJD gekostet. Kleine Preisunterschiede.

Ich gehe erst einmal im Büro der Marina „Hallo“ sagen, um anschließend im Restaurant zu frühstücken. Der Eigner der Altaïr hat für mich eine Nachricht hinterlassen. Es ist zum Einkaufen in die Stadt gefahren und wird mich dann etwas später treffen. Er ist also, wie versprochen hier. Ich freue mich. Schreibe jetzt, während ich auf ihn warte, dieses kleine Update, da ich schon ein paar neugierige Nachfragen per Mail bekommen habe, nach dem Stand der Dinge.
Mehr gibt es dann heute Abend.

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